Ein paar Schritte weiter

Manchmal braucht es ein wenig Entsetzen, um den eigenen Überzeugungen im Alltag wieder gerecht zu werden. Zwei angespannte Stunden, in denen ich mir den Film Plastic Planet ansah, haben gereicht.

Zum Glück hat mir der Osterhase ganz unverhofft ein Buch geschenkt, das mich zum Nachdenken bringt und hoffentlich auch wieder zu diszipliniertem Handeln nach den schon lange notierten Zielen: Besser leben ohne Plastik von Anneliese Bunk und Nadine Schubert aus dem oekom verlag.

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In vielen Sachen bin ich ja schon ein alter Hase. Duschen mit Seife, Einfrieren in Glasbehältern, Einkaufstasche immer dabei. Die größten Schwierigkeiten bereitet mir aber der plastikfreie Einkauf. Der Wochenmarkt und der nächste Bioladen sind jeweils eine halbe Stunde entfernt, schwierig mit Stillbaby und Kleinkind im Schlepptau. Der Supermarkt in der Nähe hat eine große Auswahl an Bioprodukten, oft in Plastik verpackt. Bio, regional und plastikfrei einkaufen, das ist fast wie die Quadratur des Kreises. Kaufe ich Biogemüse aus Spanien in Plastikhülle? Oder die konventionelle, sicher pestizidbelastete Ware des Gemüsehofes nebenan? Bionudeln in Kunststoffverpackung? Oder die  italienischen in der blauen Pappschachtel?

Die Lösung liegt für mich im Selbermachen, wofür in meinem Alltag momentan wenig Spielraum ist. Aber so nach und nach ein paar Gewohnheiten umstellen, Kosmetika und Reiniger selbst machen und wieder bewusster einkaufen, das kann ich.

Einstweilen lese ich hier die tollen Tipps, klicke mich durch Links und Bezugsquellen und habe jubelnd entdeckt, dass auch in meiner Stadt ein Unverpackt-Laden an den Start gehen soll. Wohooo!

Danke lieber Hasen-Franz, für dieses tolle Buch!

In meinem Garten – 28. Juli

Erntezeit!

Wir hatten in den letzten Wochen äußerst ergiebigen Regen und teils tropische Temperaturen – der Garten explodiert geradezu. Ich habe viel gebuddelt, da ich im August kaum Zeit für Gartenarbeit haben werde.

Der blaue Lein, eher aus Neugier ausgesät, ist gerodet und trocknet nun munter auf dem Dachboden. Ich habe nur noch keine Ahnung, wie ich die Samen aus den Samenständen herausbekomme, ohne stundenlang fummeln zu müssen…

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Sehr glücklich bin ich mit meinen runden gelben Zucchini, die fein schmecken und auch optisch was hermachen. Die Pflanze wird mächtig bedrängt von einem Hokkaido-Kürbis, der alles überwuchern würde, wenn ich ihm nicht ab und zu die Fangarme kürze. Aber auf die Ernte bin ich echt gespannt!

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Im Kräuterbeet blühen Eibisch, Lavendel, Minze, Melisse und Oregano um die Wette – sehr zur Freude der Bienen, die sich fröhlich summend bedienen. Neu eingezogen ist eine weiße Melisse, die getrocknet deutlich intensiver duften soll als ihre zitronige Verwandte. Nebenan wohnen nun ein Bergbohnenkraut, ein echter Sonnenhut und eine Agastache mit dem tollen Namen Toronjil Mojito. Mal schauen, wie es ihr bei mir gefällt.

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Und das hier ist eine Pink-Lemonade-Heidelbeere. Schmeckt genauso lecker, wie sie aussieht!

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Glück im Juni

Im Beerenmonat wird genascht, was das Zeug hält. Erdbeeren (oder Aardber, wie die Motte sagt) direkt vom Beet, sonnenwarm und zuckersüß. Dicke Trauben roter Johannisbeeren – an einem Busch zu sitzen und in aller Seelenruhe die Rispen abzuzupfen ist wie Meditation. Heidelbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren… Wahrscheinlich werden wir nur noch mit saftverschmierten Mündern durch den Garten laufen. Die Arbeit wird ein bisschen weniger, alles ist gesät und gepflanzt und muss nun noch gepflegt und gegossen werden. Ein wenig Regen wäre schön, damit das Grünzeug wächst und gedeiht. Und dann: Sommerküche, aus dem Garten auf den Tisch.

Und Sand und Sonnenschein und Heuduft. Spielen und faulenzen.

Glück im Juni.

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In meinem Garten – 17. Mai

Nachdem die kalte Sophie nun zu Besuch war, habe ich mich dieses Wochenende getraut meinen kleinen Fensterbrettdschungel ins Freie zu verlegen. Mit den Wildtomaten sind auch die Gurken, Zinnien und Sommerastern ausgezogen. Die Gurken haben den Umzug leider nicht überlebt, deshalb habe ich einfach direkt ins Beet nachgesät, nachdem ich den Rankzaun aus Weide fertig gebastelt hatte. Auch die Zinnien sind eindeutig zu lang geworden auf der Fensterbank. Deshalb setze ich heute als ersten Punkt auf meinen Gartenplan fürs’s nächste Jahr: Vorziehen (mit Ausnahme der Tomaten) streng verboten! Auch wenn es mich noch so sehr nach Grün sehnt, die Pflanzen, die ich direkt im Freiland gezogen habe, sind einfach deutlich kräftiger und robuster geworden.

So, und nun komme ich nach amtlicher Zählung auf 17 Gemüsesorten (Radies, Zucchini, Kürbis, Dicke Bohnen, Mangold, Möhren, Rote Beete, Fenchel, Rauke, Salat, Tomaten, Gurken, Bohnen, Erbsen, Zwiebeln, Kohlrabi, Melde) und 9 Blumenarten  im Wachsen und Werden. Die Radieschen haben uns schon mit der ersten Ernte beglückt, als nächstes ist wohl die Melde dran, die ich dieses Jahr zum ersten Mal im Garten habe. Gestern habe ich das Internet nach einem einfachen Rezept durchforstet, außer einer Quiche aber nichts gefunden. Für Inspiration bin ich sehr dankbar!

Mein Kräuterbeet sah in den letzten Wochen sehr kümmerlich aus, und tatsächlich sind mir im Winter ein paar Pflanzen erfroren. Zeit für eine größere Bestellung beim Kräuterdealer. Eine Pimpinelle habe ich diese Woche auf dem Markt erstanden; ich finde ihre filigranen Blätter sehr hübsch und esse sie gerne zum Salat. Meine im letzten Jahr gepflanzten Heidelbeeren blühen gerade, ich bin so gespannt auf die erste Ernte! Auch die Erd- und Himbeeren tragen verheißungsvoll… Und jeder sonnige Tag bringt uns dem Schlaraffenland ein wenig näher.

Ein herzlicher Gruß an alle Gartenfreunde,

Ailis

PS: Hallo almathun, hallo Erich Andreas Brokans, herzlich willkommen bei mir!

 

Besitzen & loslassen

Das zeitige Frühjahr ist für mich die allerbeste Zeit, um Ordnung in mein Leben zu bringen. Jetzt sind die Tage noch überwiegend kalt, jetzt lockt die Sonne noch nicht ganz so sehr ins Freie. Und trotzdem liegt da die Ahnung in der Luft, dass etwas Neues kommt. Und wenn es soweit ist, soll in meinen Schränken und Regalen alles bereit sein, damit ich das Leben draußen genießen kann.

Also Ärmel hochkrempeln und los geht’s. Wer Kinder hat weiß, dass im normalen Familienalltag keine großen Aktionen drin sind. Wir haben gelernt, unsere Aufgaben in kleinen Schritten zu bewältigen, ohne frustriert zu sein. Abends, am Wochenende oder wenn der jeweils andere Elternteil mit dem Zwerg draußen ist.

Wenn’s ums Aufräumen geht, lasse ich die Listen sein. Ich weiß eh im Schlaf, was schon lange auf Erledigung wartet. Da ist der gut gefüllte Regalboden mit den Dinosauriern aus meiner Studienzeit. Beim Auseinandernehmen kommen ein paar ungute Erinnerungen hoch an die schrecklichen Vorlesungen in Mathematik und Recht, nicht gerade meine Steckenpferdchen. Aber auch viele schöne Gedanken. Und trotzdem: jahrelang habe ich diese Materialien weder gebraucht noch vermisst. Sie müssen jetzt gehen.

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Dann wartet noch ein weiteres Regal auf sein Schicksal: meine Kreativbücher. Ich bin Buchhändlerin von Beruf und habe jeden Tag die schönsten Novitäten auspacken dürfen. Und ich habe sie gesammelt, meine Bücher, jahrelang. Bis zu dem Tag, an dem ich mich fragte, warum ich das tue, ob mir wirklich jedes einzelne Buch am Herzen liegt. Die ehrliche Antwort war: nein. Es war nur die Lust am Sammeln und Besitzen an sich. Doch was ist ein Buch, das ich nicht wirklich mag und brauche, für mich wert? Belastet es mich nicht eher? Nachdem ich mit meiner Romansammlung fertig war, blieb im Bücherschrank ein einziger gefüllter Regalboden übrig. Romane, die mich sehr bewegt haben, bei denen ich auch noch nach Jahren weiß, wovon sie handeln, die ich gerne noch einmal lesen möchte. Und nun also die DIY-Titel. Viele davon in Englisch, viele wunderschön anzusehen, aber für meinen aktuellen Alltag unbrauchbar. Gekauft in Zeiten mit sehr starker Arbeitsbelastung, in der ich meine Sehnsucht nach Zeit für Kreativität kompensiert habe mit dem Besitz von Kreativbüchern. Verrückt, oder?

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Und schließlich noch die digitalen Fotordner, wahrscheinlich nicht nur für mich ein leidiges Thema. Hier macht mir das Ausmisten am wenigsten Spaß, weil es ein Fass ohne Boden ist und man kein physisches Ergebnis sehen kann. Aber es muss jetzt mal sein…

Wenn ich in Fahrt bin, steht an unserer Tür ein ramponierter Wäschekorb, in den ich alles werfe, was weg soll. Mein Liebster ist bei uns für die Müllentsorgung zuständig und muss die Papier- und Gerümpelberge verschwinden lassen. Bücher habe ich früher hauptsächlich auf Flohmärkten verkauft, momentan gehe ich aus Zeitmangel den Weg über Gebrauchtbuchplattformen. Eigentlich ist es schön zu sehen, dass viele Menschen ihre Konsumwünsche mit  Dingen aus zweiter Hand befriedigen, statt alles neu zu kaufen. Und ich bin froh, dass mein überflüssiger Besitz noch andere erfreut.

Der schwierigste Teil am Ausmisten ist, neuem Kram den Zugang zu verwehren. Besitz kontinuierlich zu überprüfen und Überflüssiges ziehen zu lassen. Für mich ist das ein andauernder Prozess. Und das Ziel: neben den Dingen, die man wirklich zum Leben braucht, nur wenig zu besitzen, das nur schön ist. Herzensdinge also.

Ein Nachmittag im Garten

Gestern schien eine goldene Sonne vom tiefblauen Himmel, mein Mädchen hatte ausgeschlafen und war gut gelaunt: nichts wie raus in den Garten! Wir haben die letzten Gemüsepflanzen aus dem Beet gezogen und einen allerletzten Erntekorb gefüllt.

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Unterm Nussbaum gesessen, die Schafe beobachtet (Kind) und in den Himmel geträumt (Mama).

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An den Bienenstöcken wird noch getanzt…

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Und hier und da gibt es noch bunte Blüten zu sehen.

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Bunt färbt sich auch das Laub meiner Pink-Lemonade-Heidelbeere. Ich bin gespannt, ob sie nächstes Jahr schon Früchte trägt.

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Das hier ist mein Komposter, im Frühling gebaut von meinem Mann, nachdem ich ihn endlich vom Sinn guter Komposterde überzeugen konnte. Zu einem Drittel hat er sich den Sommer über gefüllt, es ist wirklich erstaunlich, wie schnell Biomasse in sich zusammenfällt. Bald bekommt er noch eine Decke aus Stroh, damit die Würmchen es warm haben im Winter.

IMG_6749Die Beerensträucher müssen noch gepflegt werden, das Gemüsebeet umgegraben. Den Baumschnitt haben wir auf den Spätwinter vertagt, weil das den Bäumen wohl besser bekommen soll. Und auf dem Schreibtisch liegen schon Pläne für das kommende Gartenjahr…

 

Sammelfieber

Auch wenn es die Herbstsonne nicht durch die dicke Wolkendecke geschafft hat, war es heute herrlich mild draußen, und so haben wir die Gartensachen angezogen und sind zum Nussbaum geschlendert. Dort ist es gerade wie im Schlaraffenland, wie gesät liegen die Walnüsse im Gras. Schnell rein ins Körbchen…

Unsere Sammeltätigkeit hat  die Aufmerksamkeit von Ziegenbock Boris auf sich gezogen, der die Neugier in Tiergestalt ist. Um uns abzulenken, schlüpfte eine seiner Haremsdamen unterm Gartenzaun hindurch, und während die Motte und ich versuchten, sie zurück zu treiben, hat Boris mal schnell einen Blick in unseren Korb geworfen:

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Nun trocknet die Beute aber auf dem Dachboden und der hier wartet darauf, die erste harte Nuss zu knacken…

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