Und wir sehen schon den Stern

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

ein milder Stern herniederlacht;

vom Tannenwalde steigen Düfte

und hauchen durch die Winterlüfte

und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,

das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich höre fernher Kirchenglocken

mich lieblich, heimatlich verlocken

in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,

anbetend, staunend muss ich stehn;

es sinkt auf meine Augenlider

ein goldner Kindertraum hernieder,

ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm

Ich wünsche Euch ein fröhliches, gemütliches Weihnachtsfest mit lauten Freudenjuchzern und stillem Glück im Angesicht all dessen, was uns geschenkt ist. Genießt die Zeit und lauscht auf den Zauberglöckchenklang in Euren Herzen…

Ailis

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Gemeinschaft

Warm strahlt die Oktobersonne vom Himmel. Fröhliche Kaffeerunde mit den Nachbarn in unserer Straße im Ort meiner Kindheit. Dann lodert die erste Flamme in dem großen Berg Herbstschnitt; wir stehen und sitzen am Feuer. Es wird gegrillt, Kinder spielen, Hunde wuseln herum, Gespräche und Lachen klingen in den Abend hinein. So schön, so einfach kann Gemeinschaft sein.

Strohwitwe, schlaflos

Diese Woche war ich alleinerziehende Mutter einer tagsüber extrem anhänglichen und nachts extrem aktiven Einjährigen. Der Herr Papa weilt im Ausland und hat sich bei der Abreise auf vier Nächte Durchschlafen gefreut. Ach, ich gönn’s ihm ja… Und ich ziehe den Hut vor alleinerziehenden Eltern, die die schwierigen Phasen ihrer Kinder immer allein schultern (müssen). Als die Motte heute nacht um drei Uhr im Bett saß und ihre Giraffen-Spieluhr aufzog, nachdem sie mich mit ihrem Fuß an der Nase wach gekitzelt hatte, wusste ich aber nicht mehr, ob ich weinen oder lachen sollte. Ich entschied mich dann doch für’s Lachen und sie stimmte fröhlich ein, den Nuckel lässig im Mundwinkel.

Morgen sind wir wieder zu dritt, zumindest übers Wochenende. Und vielleicht sollten wir doch mal ausprobieren, wie es sich im Kinderzimmer so schläft…

 

(Schön, dass Du da bist, St. Moonlight!)

Zeitreise

Weil der große Mensch auf Dienstreise ist (ergo auch niemand auf uns wartet), haben die Motte und ich einen schönen, langen, faulen Tag bei Oma und Opa verbracht. Ich liebe die Oma-Opa-Tage sehr –  das Indentaghineinleben, die gemeinsamen Mahlzeiten (Zutaten im Garten geerntet), die großen Milchkaffeetassen, die von Zauberhand nachgefüllt werden… An Oma-Opa-Tagen kann ich gleichzeitig Mutter und Tochter sein, kann mich entspannen, weil mehr Menschen da sind die ein Auge haben auf den vorwitzigen kleinen Krabbelkäfer, und die Gesellschaft der Menschen genießen, die mich seit 32 Jahren vorbehaltlos lieben und unterstützen.

Auf der Suche nach den Bilderbüchern aus meiner Kinderzeit haben wir heute eine Spielzeugkiste nach der anderen geöffnet und saßen zum Schluss inmitten wunderbarer Erinnerungen. Das Puppengeschirr, der alte Holzbauernhof, die selbst genähten Kuscheltiere, die Spielfiguren und die Barbie mit dem Walkman aus dem Westpaket – alles ist noch da. Sogar die Stempelkästen riechen noch genauso nach Farbe, wie ich sie in Erinnerung habe.

Mein Bruder, der kurz vorbeigeschaut hat, war so gerührt von den unverhofft wiederentdeckten alten Schätzen, dass wir beide kurz schlucken mussten. Und dann ging es los… Weißt Du noch? Kannst Du Dich daran erinnern? Wir haben zusammen eine wunderbare, sorglose, freie Kindheit verlebt, und die Erinnerungen daran sind – das weiß ich heute – ein großes Geschenk. Und dieses Geschenk möchte ich so gerne auch meinem Kind machen.

Für die Motte jedenfalls waren die vielen bunten Dinge ein wenig zuviel des Guten (die Kartons waren sowieso am interessantesten), und so haben wir alles erstmal wieder eingepackt und nur dieses eine Stück mit ins Kinderzimmer genommen. Tuut tuut…

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Leuchtender Juni

Von allen Monaten im Jahreslauf, von denen jeder einzelne seine schönen Seiten hat, sind mir der Mai und der Juni doch die liebsten. Weil die Natur sich von ihrer grünsten Seite zeigt, ohne das Hitzeflirren des Sommers oder das Müdewerden der Herbsttage. Weil alles so lebendig und lebensfroh ist – die Pflanzen, die Tiere, und ja, oft auch die Menschen.

Ich bin im Moment voller Energie und habe zahllose Ideen und unvollendete Projekte, die mich beschäftigen. Vor allem aber bin ich mit dem kleinen Menschen draußen unterwegs. Mein Septembermädchen erobert gerade ihre Welt und nimmt mit großen Augen, offenen Ohren, mit Mund, Händen und vergnügtem Lachen alles um sich herum in sich auf. Ich versuche, ihr so viel wie möglich zu zeigen und in die Hände zu geben und gelassen zu bleiben, wenn mal wieder undefinierbares Grünzeug in dem kleinen roten Kindermund verschwindet. Wir schauen uns täglich an, wie das Gemüse gewachsen ist, essen mal hier eine Erdbeere, mal dort eine Johannisbeere, auch Kirschen stehen hoch im Kurs. Sie kann sich stundenlang die Katzen anschauen, und die Schafe, und den Hund, und…- Bücher. Endlich!

 

 

Ein perfekter Tag

Frühlingssonne. Blauer Himmel. Blütenduft und Vogelgezwitscher. Die ganze Familie zum Essen am Tisch. Dem großen Bruder beim Bau eines Wildbienen- und Insektenquartiers zuschauen. Mit dem kleinen Menschen unterm Apfelbaum liegen und mit seinen Augen jedes Blatt und jede Blüte als großes Wunder betrachten. Schlafen, wenn einem danach ist. Nichts vorhaben, nichts erledigen müssen. Glücklich lächelnd  in den Himmel schauen…