Kinderkunst – Washi-Tape-Ausmalbild

An manchen Tagen stehe ich vor der Herausforderung, meine Mädchen zwei bis drei Stunden im Kinderzimmer zu beschäftigen. Das ist gar nicht so leicht, denn die Aufmerksamkeitsspanne der Kleinen ist natürlich noch kurz, gleichwohl will und soll sie in alle unsere Aktivitäten einbezogen sein. Weil das Septembermädchen sehr gern malt und kleckst bin ich dazu übergegangen, ihr kleine Kunstprojekte vorzubereiten, die sie mit etwas Anleitung selbst fertig machen kann. Damit habe ich tolle Erfahrungen gemacht und meine Große ist immer sehr stolz auf ihr Werk, daher möchte ich ab und an mal zeigen, was wir so machen.

Heute also: Washi-Tape. Man kann das Ausmalbild schon fertig vorbereiten oder es zusammen mit dem Kind kleben, wenn es schon gut mit der Schere umgehen kann.

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Und dann: ausmalen. Buntstifte, Faserstifte, Wasserfarben, wie es beliebt. Die Kleine räumt währenddessen mit Begeisterung Stifte aus und ein.

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Zum Schluss nur noch das Klebeband abzupfen – tadaaaa!

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Stürmische Tage

Nicht nur der Maiwind war diese Woche stürmisch, auch das Leben pustet einen manchmal um. Der Liebste musste unverhofft für ein paar Tage ins Ausland, und kaum ist er weg beginnt das Augustmädchen zu fiebern. 14-Stunden-Tage mit meinen Mädels und auch nachts ist an Schlaf nicht zu denken. Wie froh bin ich, dass wir zu Pfingsten wieder zu viert sind. Mittagsschlaf und ein Ausflug in den Tierpark haben uns gut getan.

Und wie es manchmal so ist: nach der Krise kommt eine Veränderung. Mein kleines Mädchen, gerade neun Monate alt, nabelt sich ab von mir. Unser Stillrhythmus wird loser, sie braucht weniger Schlaf und bewegt sich seit kurzem so wendig und sicher und mit unbändiger Freude über das eigene Vorwärtskommen. Wenn ich sie beobachte habe ich manchmal das Gefühl, als sei in ihrem Bewusstsein eine Tür aufgegangen und sie steht auf der Schwelle zu einer neuen Welt. Aus meinem Baby ist ein Kleinkind geworden und ich lasse sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge ein kleines Stückchen los.

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Im Kinderatelier

Seit Kurzem hat die Motte ein Kinderatelier. Naja, einen Maltisch also. Ich wollte ausprobieren wie sie damit zurechtkommt, wenn ich ihr Stifte, Papier, Pinsel und Farbe dauerhaft zur freien Verfügung stelle. Es war mir zu anstrengend, ihr jedesmal den Arbeitsplatz vorzubereiten. Und ich finde es bremst auch die Kreativität, wenn man sich sein Material erst mühsam zusammensuchen muss.

Den (Couch-)Tisch haben wir vom Dachboden geholt; er gehörte ihrer Uroma, sie hätte sich bestimmt gefreut zu sehen, wozu er noch gut ist. Er ist sogar höhenverstellbar und hat in der untersten Position genau die richtige Größe. Als sie ihre neuen Faserstifte entdeckte, gab es kein Halten mehr. Ich fand bunte Striche auf der Sofadecke, auf den Küchenstühlen, auf ihren Händen… Wir redeten darüber, wo gemalt wird (auf dem Papier) und wo nicht (überall sonst) und sie hält sich fast immer daran. Als sie vor vielen Wochen ihre erste Schere bekam und schneiden lernte, hat sie in einem Akt tiefster Konzentration ihre neue Hose zerlöchert. Ich hatte mich sehr geärgert, aber dem Drang widerstanden ihr die Schere wieder wegzunehmen. Sie hat sowas nie wieder getan.

Heute gab ich ihr auch ein paar Stempel und eine Rolle Washi-Tape. Ich staune immer wieder, wie schnell ein so kleiner Mensch mit etwas Neuem zurechtkommt!

Glück im November

Glück im November ist, dass nach den wilden ersten Wochen als vierköpfige Familie endlich jeder seinen Platz und seinen Rhythmus gefunden hat. Glück ist, auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten zu singen und durch bunte Blätterhaufen zu rascheln. Die Farben und das goldene Licht des Herbstes zu genießen. Den verwilderten Garten nach einer großartigen Kürbisernte fertig für den Winterschlaf zu haben. Ins Haus zurückzukehren, alles gemütlich zu machen, Kerzen anzuzünden. Die dunkler werdenden Nachmittage bastelnd oder malend am Küchentisch zu verbringen, mit schlafendem Baby im Arm. Das Septembermädchen staunend beim Lernen zu beobachten („Ich kann’s schon alleine!“). Das Augustmädchen mit allerlei Faxen zum Lachen zu bringen. Abends verdammt müde zu sein von einem langen Tag als Mutter, und trotzdem verdammt glücklich.

 

Lebensspuren

Manchmal liege ich nachts wach, lausche in die Dunkelheit und kann mein Glück kaum fassen. Links von mir höre ich die tiefen Atemzüge meines Mannes. Das Septembermädchen liegt auch irgendwo auf dieser Seite, meistens falschherum zwischen uns, jedenfalls aber nicht mehr da, wo es eingeschlafen ist. An meiner rechten Seite schlummert friedlich ein kleines Wesen, unser Augustmädchen, gerade einmal zehn Wochen alt. Ich muss nur ein wenig die Hand ausstrecken, um dieses Mädchen mit den rabenschwarzen Haaren, das uns mit seinem Babyduft und seinem sanftmütigen, fröhlichen Wesen täglich aufs Neue verzaubert, zu liebkosen.

Ich lausche in die Dunkelheit, eingehüllt in Wärme, Nähe und Geborgenheit – und unendlich glücklich darüber, was mir geschenkt ist.

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„Wir alle sind in dem Maße Menschen geworden, in dem wir geliebt haben und Anlass zu lieben hatten.“

Boris Pasternak