Ein Nachmittag im Garten

Gestern schien eine goldene Sonne vom tiefblauen Himmel, mein Mädchen hatte ausgeschlafen und war gut gelaunt: nichts wie raus in den Garten! Wir haben die letzten Gemüsepflanzen aus dem Beet gezogen und einen allerletzten Erntekorb gefüllt.

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Unterm Nussbaum gesessen, die Schafe beobachtet (Kind) und in den Himmel geträumt (Mama).

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An den Bienenstöcken wird noch getanzt…

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Und hier und da gibt es noch bunte Blüten zu sehen.

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Bunt färbt sich auch das Laub meiner Pink-Lemonade-Heidelbeere. Ich bin gespannt, ob sie nächstes Jahr schon Früchte trägt.

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Das hier ist mein Komposter, im Frühling gebaut von meinem Mann, nachdem ich ihn endlich vom Sinn guter Komposterde überzeugen konnte. Zu einem Drittel hat er sich den Sommer über gefüllt, es ist wirklich erstaunlich, wie schnell Biomasse in sich zusammenfällt. Bald bekommt er noch eine Decke aus Stroh, damit die Würmchen es warm haben im Winter.

IMG_6749Die Beerensträucher müssen noch gepflegt werden, das Gemüsebeet umgegraben. Den Baumschnitt haben wir auf den Spätwinter vertagt, weil das den Bäumen wohl besser bekommen soll. Und auf dem Schreibtisch liegen schon Pläne für das kommende Gartenjahr…

 

Gemeinschaft

Warm strahlt die Oktobersonne vom Himmel. Fröhliche Kaffeerunde mit den Nachbarn in unserer Straße im Ort meiner Kindheit. Dann lodert die erste Flamme in dem großen Berg Herbstschnitt; wir stehen und sitzen am Feuer. Es wird gegrillt, Kinder spielen, Hunde wuseln herum, Gespräche und Lachen klingen in den Abend hinein. So schön, so einfach kann Gemeinschaft sein.

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,

wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,

es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,

wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

 

Das Erdenrund ist so geschmückt,

und selten lärmet

der Schall durchs offene Feld, die Sonne wärmet

den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen

als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

 

Die Zeig‘ und Äste durch mit frohem Rauschen,

wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,

der ganze Sinn des hellen Bildes lebet

als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

 

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

 

Sammelfieber

Auch wenn es die Herbstsonne nicht durch die dicke Wolkendecke geschafft hat, war es heute herrlich mild draußen, und so haben wir die Gartensachen angezogen und sind zum Nussbaum geschlendert. Dort ist es gerade wie im Schlaraffenland, wie gesät liegen die Walnüsse im Gras. Schnell rein ins Körbchen…

Unsere Sammeltätigkeit hat  die Aufmerksamkeit von Ziegenbock Boris auf sich gezogen, der die Neugier in Tiergestalt ist. Um uns abzulenken, schlüpfte eine seiner Haremsdamen unterm Gartenzaun hindurch, und während die Motte und ich versuchten, sie zurück zu treiben, hat Boris mal schnell einen Blick in unseren Korb geworfen:

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Nun trocknet die Beute aber auf dem Dachboden und der hier wartet darauf, die erste harte Nuss zu knacken…

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Herbst. Wie viele hast Du? Dies ist einer davon. [Tucholsky]

„Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt,
so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit.
Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. […]

Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. […]

So vier, so acht Tage – Und dann geht etwas vor. Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. […] Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon.

Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. […] Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre. Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.“

Kurt Tucholsky

 

Und Action!

Natürlich waren wir keine drei Wochen im Urlaub – auch wenn ich nichts dagegen gehabt hätte. Direkt vom Kofferausräumen bin ich zum Leeren der Küchenschränke übergegangen. Gekocht wird nun auf einer kleinen Platte im Vorratsraum, gespült in der alten Emaille-Schüssel, gegessen im Wohnzimmer mit direktem Blick auf den Kirchturm. Indoor-Camping, sozusagen. Und der leicht erschwerte Alltag schärft mal wieder das Bewusstsein dafür, welche segensreichen Erfindungen fließend Wasser, Spülmaschine und Einbaubackofen sind.

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Obwohl unsere aktuelle Versorgungslösung nichts ist im Vergleich zur Badrenovierung vor zwei Jahren. Dusche und Toilette? Bitte einmal quer über den Hof! Mehrere Wochen lang. Im Januar.

Ich wünsche Euch allen einen tollen Start in den goldenen Oktober!

Herzlichst, Ailis

PS: Herzlich Willkommen, adituita!

Spätsommer im Garten

Eigentlich bin ich noch nicht ganz bereit, mich vom Sommer zu verabschieden, aber es lässt sich nicht leugnen: die Welt beginnt, nach Herbst zu duften. Da ist der Pflaumenmusduft, der durch das Elternhaus zieht. Der Duft von Mamas Ölkuchen ebenda. Für so ein knuspriges, noch ofenwarmes Eckstück lese ich gerne einen Eimer Pflaumen auf… Im Garten duftet es nach regennasser Erde, nach Fallobst und Stroh. Die ersten Kirschbäume tragen rot gefärbtes Laub und ein wenig steigt nun doch in mir die Vorfreude auf die farbenfroheste Zeit des Jahres. Und auf diese wunderbaren, milden Altweibersommertage mit ihrem sanften, goldenen Licht.

Doch noch ist Sommer, noch beschenkt mich der Garten in Hülle und Fülle. Trotzdem habe ich beschlossen, für dieses Jahr ein Häkchen an die Einkocherei zu machen, denn die Regale sind voll, kein Glas ist mehr übrig und jede Menge andere Projekte warten. Was auf den Beeten noch steht, soll frisch verspeist werden. Mangold, Fenchel, Rote Rübchen, Möhren, Kürbis und Zucchini. Obwohl es eigentlich zu spät ihm Jahr war, habe ich nochmal Dicke Bohnen ausgesät. Sie blühen reichlich und duften herrlich, die Bienen freuen sich, und ich bin gespannt ob die Zeit noch reicht, um Früchte zu ernten. Auch meine ersten stachligen Freiland-Gemüsegurken habe ich abgeknipst und erfreut festgestellt, wie eine selbst gezogene Gurke schmecken kann. Frisch, grün, intensiv. Kein Vergleich mit denen aus den spanischen Treibhäusern…

Es ist wirklich Gold wert, einfach in den Garten gehen und sich das Mittagessen in den Korb legen zu können, denn unser Septembermädchen isst mittlerweile mit riesigem Appetit und lustvoll bei uns mit. Und sie ist nicht mäkelig, nein, es wird alles probiert, von der Brombeere bis zum Radieschen. Hoffentlich bleibt’s so!