Zehn Jahre

Auf einer Silvesterparty vor zehn Jahren habe ich meinen Mann kennengelernt. Das Erste, was ich von ihm sah waren seine Füße, stand er doch gerade auf einem Tisch und schraubte eine Lampe an die Decke seines Studienkumpels. Damals hätte ich schon ahnen müssen, dass er nicht der Romantiker und Gentleman ist, den ich mir in meinen Jugendträumen erhofft hatte. Dafür hat mir das Schicksal einen Menschen an meine Seite gestellt, der mir nicht ähnlich ist, der mich aber wunderbar ergänzt. So habe ich von ihm gelernt, Probleme auf praktische Weise zu lösen und er hat vielleicht durch mich einige Seiten des Lebens kennengelernt, die ihm sonst verschlossen geblieben wären. Oft haben wir uns voneinander wegbewegt, einmal fast endgültig und haben doch alle schwierigen Zeiten gemeinsam überstanden. Unter all den Menschen auf dieser Welt den einen zu finden, mit dem man sein Leben teilen möchte, ist ein großes Glück. Dafür bin ich dankbar.

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Glück im September

Der Holzmond macht dieses Jahr seinem Namen alle Ehre. Nicht nur wird bald eine große Ladung Bauholz für den laaaaange ersehnten und geplanten Balkon bei uns angeliefert, auch ich habe irgendwie eine Zuneigung zu diesem wunderbaren Material entwickelt und bastle an ein paar Kinderprojekten. Bohren, sägen, schleifen, streichen, das sind sehr befriedigende Arbeiten und ich mag die raue Werkstattluft. Ansonsten lockt der September mit seinem goldenen Abendlicht und seiner milden Luft. Prinz Albrecht von Preußen trägt verlässlich seine saftigen Äpfel, bald ist Erntezeit. Im Wohnzimmer stapeln sich Koffer und Kleider für eine Woche Familienzeit im Elbsandsteingebirge, die wir dringend nötig haben. Die Vorbereitungen für den dritten Geburtstag des Septembermädchens laufen und auch sonst habe ich einige Listen abzuarbeiten. Aber zwischendurch versuche ich, langsam zu gehen und all die Düfte und Farben zu genießen, die der Herbst im Gepäck hat.

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Glück im Juli

Glück im Juli ist, mal fünfe gerade sein zu lassen. In der Sonne sitzen und die Kinder beim Spielen beobachten. Das Augustmädchen nicht mehr davon abhalten zu müssen, den halben Sandkasten zu verspeisen. Zuzuschauen, wie gut mein kleines Mädchen schon auf seinen zwei Beinen vorwärts kommt, die Augen voller Glück über die neue Fähigkeit und seelig juchzend. Glück sind die ersten Sommerblumen in der Vase, mit beerenverschmierten Mündern durch den Garten zu laufen, Planschvergnügen an den ersten heißen Tagen.

Glück im Juli ist, hoffentlich mal ein paar ruhige Nächte zu haben, bevor der nächste Zahnungsschub kommt, mit Fieber und allem Elend, das damit einhergeht. Glück ist, vielleicht wieder etwas ausgeschlafener zu sein und etwas kreativer – und endlich das große, verheißungsvolle Paket auszupacken, das im Arbeitszimmer auf mich wartet.

Aber es ist Sommer. Die Tage sind lang und voller Leben, die Nächte warm und voller Duft. In gar nicht mehr allzu ferner Zukunft geht meine Elternzeit zu Ende. Jetzt genieße ich das Indentaghineinleben mit meinen kleinen Mädchen, jeden sorglosen Moment, in vollen Zügen. Alles hat seine Zeit.

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Glück im Juni

Glück im Juni ist kribbelnde Vorfreude auf eine Woche Familienzeit am Meer. Die lästige Packerei ist fast geschafft, nur noch drei mal schlafen! Glück ist, im Garten wieder aus dem Vollen schöpfen zu können: Radieschen, Salat, Spinat, frische Kräuter… Der Regen fällt bei uns zum Glück sanft und ergiebig, die Gießkanne langweilt sich und wir sehen dem Gemüse vergnügt beim Wachsen zu. Glück im Juni ist Draußensein, mit dem Füßen im Gras, Heuduft in der Nase, Sandkistensand überall. Glück im Juni ist der Duft von Veränderung. Pläne schmieden, Weichen stellen und manchmal ein bisschen Angst vor der eigenen Courage haben. Zum Glück gibt’s einen, der sagt: Du kannst das! Und bevor das Neue kommt, genießen wir das, was ist: ein wahnsinnig groß gewordenes, in einem fort plauderndes, hilfsbereites Septembermädchen und ein zehn Monate altes Energiebündel, das gerade mit aller Macht laufen lernt.

Glück im Juni ist: Da! Und alle schauen, wo der kleine Finger hinzeigt. Heißt es nicht, dass sie noch die Engel sehen?

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Glück im Mai

Eigentlich ist das Wort Mai an sich schon pures Glück. Es trägt in sich den Duft  abertausender Blüten, von Bienen umsummt. Die jungen Blätter der Bäume tanzen in unzähligen Schattierungen von Grün im Wind. Am Nussbaum blühen glänzend gelbe Butterblümchen und der Flieder öffnet seine zarten Blütenknospen. Im Gärtchen dringen erste grüne Spitzen aus der Erde. Die Abende duften nach Heu. Unsere Nachmittage vergehen mit Gießen, Pustebläschen machen und Sandmatschen, während das Augustmädchen den Frühling mit riesengroßen Kinderaugen, unermüdlich tastenden Händchen und unbändiger Neugier in sich aufnimmt. Herzlich willkommen, lieber Mai, wir haben lange auf Dich gewartet!

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Glück im April – mit Verspätung

Glück im April ist, diesen verrückten letzten Schnee schmelzen zu sehen. Endlich wieder in einen normalen Alltag zurückkehren zu können, ohne Husten, Schnupfen, Arztbesuche. Endlich wieder Pausen für die Mama. Glück ist, die Winterjacken, Mützen und Schals einzumotten und die Kinder nicht mehr aus vier Lagen Kleidern schälen zu müssen. Von der Frühlingsgeschäftigkeit mitgerissen zu werden, mehrere Projekte gleichzeitig zu jonglieren, mit richtig viel Energie. Aufräumen, kehren, Bänke und Tische rausstellen. Ausgiebige Sandkastennachmittage, Laufrad fahren, Ball spielen, Tiere anschmusen in der Sonne. Den Duft, das Summen und die Farben zu genießen. Zusammen mit dem Augustmädchen dessen ersten Frühling zu genießen. Und vor lauter Freude, dass die Lieblingsjahreszeit endlich da ist, singen, jubeln, springen…

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Glück im März

Glück im März ist, die erste Baumblüte entdeckt zu haben. Und zu hoffen, dass sie den Schnee, der in der Nacht fiel, überstanden hat. Glück im März sind all die kleinen Pflanzen, die ihre Köpfchen zaghaft aus der Erde recken. Die ersten Farben, die das Wintergrau ablösen. Dieses Kribbeln, das ungeduldige Warten. Auf die ersten Frühlingssonnenstrahlen, das sich verändernde Licht, den Duft nach nasser, schwerer Erde. Glück im März ist, eine lange Krankheitsphase (hoffentlich) endlich überstanden zu haben. Ist Vorfreude auf einen Kurzurlaub. Und das gute Gefühl, nach einem Bruch im Berufsleben wieder einen Plan, ein Ziel zu haben.

Troll dich, Winter! Willkommen, lieber Frühling!

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