Leise

Leise zieht durch mein Gemüt liebliches Geläute.

Klinge, kleines Frühlingslied,

Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus bis an das Haus, wo die Blumen sprießen,

Wenn Du eine Rose schaust,

Sag‘ ich lass sie grüßen.

Heinrich Heine

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PS: Heute habe ich die Ehre und das Vergnügen, gleich vier neue Leser willkommen zu heißen: Astrid von fliegenpilzchen, Annette von Ruhrköpfe, die Raeubersmama Cornelia und akpancho. Also dann: auf gute Nachbarschaft!

Und wir sehen schon den Stern

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

ein milder Stern herniederlacht;

vom Tannenwalde steigen Düfte

und hauchen durch die Winterlüfte

und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,

das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich höre fernher Kirchenglocken

mich lieblich, heimatlich verlocken

in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,

anbetend, staunend muss ich stehn;

es sinkt auf meine Augenlider

ein goldner Kindertraum hernieder,

ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm

Ich wünsche Euch ein fröhliches, gemütliches Weihnachtsfest mit lauten Freudenjuchzern und stillem Glück im Angesicht all dessen, was uns geschenkt ist. Genießt die Zeit und lauscht auf den Zauberglöckchenklang in Euren Herzen…

Ailis

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Vom Schenken

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
die Gaben wiegen,
sei Dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in Dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
daß Dein Geschenk
Du selber bist.

Joachim Ringelnatz

 

Advent – Mascha Kaléko

Der Frost haucht zarte Häkelspitzen
Perlmuttergrau ans Scheibenglas.
Da blühn bis an die Fensterritzen
Eisblumen, Sterne, Farn und Gras.

Kristalle schaukeln von den Bäumen,
Die letzen Vögel sind entflohn.
Leis fällt der Schnee … In unsern Träumen
Weihnachtet es seit gestern schon.

Einen warmen, stillen ersten Adventsabend wünscht Euch mit einem Lieblingsgedicht

Ailis.

Schnee

 

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,

wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,

es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,

wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

 

Das Erdenrund ist so geschmückt,

und selten lärmet

der Schall durchs offene Feld, die Sonne wärmet

den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen

als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

 

Die Zeig‘ und Äste durch mit frohem Rauschen,

wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,

der ganze Sinn des hellen Bildes lebet

als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

 

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

 

Aus einem alten Notizbuch II – Elf Worte

Leise

lausche ich

dem Schlag Deines

Herzens und vergesse mein

eigenes.

 

Täume

sterben nie.

Sie können nur

von uns vergessen werden.

Erinnerung.

 

Schwarz

fällt Regen

auf meine Haut.

Dringt bis ins Herz,

kühlt.

 

Helle.

Die Lampe

verströmt warmes Licht,

damit ich lesen kann –

nachts.

 

 

Zehn Gläser Apfelmus

Gestern Abend ist es spät geworden über dem Apfelkorb. Während die letzten Apfelmus-Gläser im Wasserbad leise zischten, ist mir ein Nonsens-Gedicht eingefallen, das ich mit dreizehn oder vierzehn Jahren verfasst habe. Ich habe viel geschrieben, damals, jede Menge romantischen Kram, aber auch ein paar Sachen, die ich heute noch mag. Also habe ich ein bisschen gesucht… et voilà:

 

Wir legten uns an den Rand der Welt

und spuckten vergnügt hinunter,

und machten mit unseren fröhlichen Liedern

die Englein im Himmel munter.

 

Wir bauten uns aus Sternen ein Haus

und gingen im Schneesturm schwimmen.

Dann tranken wir den Ozean aus

und kauften uns eine Riesenmaus

und wollten den Teufel vertrimmen.

 

Wir kitzelten Nikolaus am Fuß

und zählen im Fluß die Kiesel.

Wir sagten Caesar ’nen schönen Gruß

und kochten zehn Gläser Apfelmus

und hatten drei zahme Wiesel.

 

Wir kletterten am Regen empor

und schnitten den Himmel in Stücke.

Wir fanden, was schon so mancher verlor

und füllten in unseren Herzen die Lücke.

 

Wir hatten immer nur Träume im Kopf,

man dachte, das würde vergehen.

So packten wir die Gelegenheit beim Schopf

und ließen uns nie wieder sehen.

 

Heute leben wir im Küchenschrank,

hinter Salz und Flachen mit Wein.

Manchmal sitzen wir auf der Fensterbank,

dann hauchen wir die Scheibe blank.

Aber das muss nicht sein.

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PS: Hallo Leo, schön, dass Du da bist!