Vegetationszone

Unser Wohnzimmer gleicht langsam aber sicher einem Gewächshaus, nachdem ich die ersten Blumen und Gemüsesorten pikiert habe und die Töpfchen und Kistchen immer mehr Raum in Anspruch nehmen. Der Kohlrabi ist mir wie immer geschossen, die Zukunft der Salatpflänzchen noch offen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt… Sehr gespannt bin ich auf die Wildtomaten „Golden Currant“, meine ersten selbst gezogenen Tomaten überhaupt. Bis jetzt sehen sie ziemlich gut aus. Im Gärtchen sind die ersten Gemüsesorten in die Erde gebracht; Radieschen, Melde und ein dickes Böhnchen gucken schon. Auch der Lein und die Ringelblumen sind aufgegangen. Wir gießen fleißig mit der nagelneuen, heißgeliebten Kanne: die Erde, das Unkraut, auch mal die Schuhe. Es kribbelt mir in den Fingern, all die kleinen Pflanzen ins Freie zu bringen, aber es könnte durchaus nochmal frostig werden. Und dann wäre das Jammern groß…

Wir sind im Garten!

Mit mehreren dicken Kleidungsschichten, Mütze, Schal und Gummistiefeln zwar, doch die warmen Sonnenstrahlen und ersten zarten Knospen locken unwiderstehlich ins Freie.

CIMG6813Aus einer Kruschelecke einen einladenden Spiel- und Sitzplatz machen.

CIMG6814Kompost umsetzen. Uff, anstrengend.

CIMG6815Aufräumarbeiten im Kräuterbeet. Eine von uns ist dabei kopfüber in den Salbei gefallen, hat aber trotzdem noch lachen können..

Besitzen & loslassen

Das zeitige Frühjahr ist für mich die allerbeste Zeit, um Ordnung in mein Leben zu bringen. Jetzt sind die Tage noch überwiegend kalt, jetzt lockt die Sonne noch nicht ganz so sehr ins Freie. Und trotzdem liegt da die Ahnung in der Luft, dass etwas Neues kommt. Und wenn es soweit ist, soll in meinen Schränken und Regalen alles bereit sein, damit ich das Leben draußen genießen kann.

Also Ärmel hochkrempeln und los geht’s. Wer Kinder hat weiß, dass im normalen Familienalltag keine großen Aktionen drin sind. Wir haben gelernt, unsere Aufgaben in kleinen Schritten zu bewältigen, ohne frustriert zu sein. Abends, am Wochenende oder wenn der jeweils andere Elternteil mit dem Zwerg draußen ist.

Wenn’s ums Aufräumen geht, lasse ich die Listen sein. Ich weiß eh im Schlaf, was schon lange auf Erledigung wartet. Da ist der gut gefüllte Regalboden mit den Dinosauriern aus meiner Studienzeit. Beim Auseinandernehmen kommen ein paar ungute Erinnerungen hoch an die schrecklichen Vorlesungen in Mathematik und Recht, nicht gerade meine Steckenpferdchen. Aber auch viele schöne Gedanken. Und trotzdem: jahrelang habe ich diese Materialien weder gebraucht noch vermisst. Sie müssen jetzt gehen.

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Dann wartet noch ein weiteres Regal auf sein Schicksal: meine Kreativbücher. Ich bin Buchhändlerin von Beruf und habe jeden Tag die schönsten Novitäten auspacken dürfen. Und ich habe sie gesammelt, meine Bücher, jahrelang. Bis zu dem Tag, an dem ich mich fragte, warum ich das tue, ob mir wirklich jedes einzelne Buch am Herzen liegt. Die ehrliche Antwort war: nein. Es war nur die Lust am Sammeln und Besitzen an sich. Doch was ist ein Buch, das ich nicht wirklich mag und brauche, für mich wert? Belastet es mich nicht eher? Nachdem ich mit meiner Romansammlung fertig war, blieb im Bücherschrank ein einziger gefüllter Regalboden übrig. Romane, die mich sehr bewegt haben, bei denen ich auch noch nach Jahren weiß, wovon sie handeln, die ich gerne noch einmal lesen möchte. Und nun also die DIY-Titel. Viele davon in Englisch, viele wunderschön anzusehen, aber für meinen aktuellen Alltag unbrauchbar. Gekauft in Zeiten mit sehr starker Arbeitsbelastung, in der ich meine Sehnsucht nach Zeit für Kreativität kompensiert habe mit dem Besitz von Kreativbüchern. Verrückt, oder?

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Und schließlich noch die digitalen Fotordner, wahrscheinlich nicht nur für mich ein leidiges Thema. Hier macht mir das Ausmisten am wenigsten Spaß, weil es ein Fass ohne Boden ist und man kein physisches Ergebnis sehen kann. Aber es muss jetzt mal sein…

Wenn ich in Fahrt bin, steht an unserer Tür ein ramponierter Wäschekorb, in den ich alles werfe, was weg soll. Mein Liebster ist bei uns für die Müllentsorgung zuständig und muss die Papier- und Gerümpelberge verschwinden lassen. Bücher habe ich früher hauptsächlich auf Flohmärkten verkauft, momentan gehe ich aus Zeitmangel den Weg über Gebrauchtbuchplattformen. Eigentlich ist es schön zu sehen, dass viele Menschen ihre Konsumwünsche mit  Dingen aus zweiter Hand befriedigen, statt alles neu zu kaufen. Und ich bin froh, dass mein überflüssiger Besitz noch andere erfreut.

Der schwierigste Teil am Ausmisten ist, neuem Kram den Zugang zu verwehren. Besitz kontinuierlich zu überprüfen und Überflüssiges ziehen zu lassen. Für mich ist das ein andauernder Prozess. Und das Ziel: neben den Dingen, die man wirklich zum Leben braucht, nur wenig zu besitzen, das nur schön ist. Herzensdinge also.

Glück im März

Ist, den Winter aus dem Haus zu treiben. Frühjahrsputz, Luft und Sonne durch die Fenster reinlassen. Ausmisten, überflüssigen Kram verkaufen, verschenken, entsorgen. Die Winterklamotten wegpacken und im Kleiderschrank Farben Einzug halten lassen. Platz schaffen für neues Leben, neues Grün. Blumen kaufen, die Ostersachen hervor suchen. Das Leben draußen planen. Aussaatpläne schmieden, Gartenbank streichen, Sandkasten bauen. Raus gehen, gucken, wer im Garten schon das Köpfchen aus der Erde steckt. Singen, hüpfen, das Gesicht der Sonne entgegenhalten. Hallo, Frühling!

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Blütenrausch

Weil der Frühling gerade Kraft sammelt und der Himmel sich bedeckt hält, habe ich ein paar alte Fotos ausgekramt. Ich glaube, ich habe in meinem Leben nichts so oft fotografiert wie blühende Obstbäume. Sanfter Sonnenschein, Spazierengehen im Blütenregen, Bienengesumm und zarter Duft – die Natur trägt ihr Brautkleid…