Lebensspuren

Manchmal liege ich nachts wach, lausche in die Dunkelheit und kann mein Glück kaum fassen. Links von mir höre ich die tiefen Atemzüge meines Mannes. Das Septembermädchen liegt auch irgendwo auf dieser Seite, meistens falschherum zwischen uns, jedenfalls aber nicht mehr da, wo es eingeschlafen ist. An meiner rechten Seite schlummert friedlich ein kleines Wesen, unser Augustmädchen, gerade einmal zehn Wochen alt. Ich muss nur ein wenig die Hand ausstrecken, um dieses Mädchen mit den rabenschwarzen Haaren, das uns mit seinem Babyduft und seinem sanftmütigen, fröhlichen Wesen täglich aufs Neue verzaubert, zu liebkosen.

Ich lausche in die Dunkelheit, eingehüllt in Wärme, Nähe und Geborgenheit – und unendlich glücklich darüber, was mir geschenkt ist.

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„Wir alle sind in dem Maße Menschen geworden, in dem wir geliebt haben und Anlass zu lieben hatten.“

Boris Pasternak

In froher Erwartung

Manch einem, der hier in meinem kleinen Reich gelegentlich oder öfter vorbeischaut, ist vielleicht schon aufgefallen, dass ich ein eher zurückhaltender Mensch bin. Es gibt auf Leuchtende Tage keine Über mich-Seite, keine Großaufnahmen von unserem Leben und keine Gesichter zu sehen. Und dass Ailis nicht mein wirklicher Name ist, ist sicherlich auch zu vermuten.

Meinen allergrößten Schatz habe ich Euch bisher auch verheimlicht, aber jetzt muss er ans Licht – im wahrsten Wortsinn! Fast neun Monate lang habe ich mein zweites Kind nun getragen, voll stiller Vorfreude und langsam aber stetig wachsender Spannung.

Mein Alltag mit Babymurmel und lebhaftem Kleinkind im Hochsommer ist recht anstrengend geworden und ich spüre, dass ich nun all meine Kräfte für meine Familie brauche.

Darum mache ich erstmal Pause. Dass ich wiederkomme weiß ich ganz sicher, nur wann ist schwer zu sagen. Ich hoffe, dass ihr alle dann noch da seid, denn dieser kleine Ort in der digitalen Welt, die netten Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, die tollen Gedanken und Kommentare, die ihr mir und meinen Ideen habt zuteil werden lassen, das bedeutet mir sehr viel!

Lasst es Euch gutgehen und seid herzlich gegrüßt von

Ailis.

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Spielwiese

Hmja, das Wort „Wiese“ ist vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen für unseren noch sehr kahlen, von allerlei Unkraut durchsetzten Spielplatzrasen. Doch nach und nach ist aus der ungeflegten Kruschelecke zumindest ansatzweise der Ort geworden, den ich mir zum Faulenzen und Spielen gewünscht hatte. Mittlerweile sind wir glückliche Besitzer eines roten Sandkastens, gebaut vom großen Menschen, und er wird täglich mit einem begeisterten „Nand!“ geentert. Die  Motte spielt furchtbar gern darin, lange, gedankenversunken, und währendessen kann ich auf meiner neuen Bank die Füße hochlegen, träumen, sogar häkeln – herrlich! Eine Sitzgelegenheit in Kindergröße zum Malen, Essen und Spielen gibt es nun auch. In Scheune und Keller habe ich ein paar alte Gefäße zusammengesucht und bepflanzt, um etwas Farbe ins Spiel zu bringen. Am Zaun laden Himbeeren und eine Johannisbeere zum Naschen ein, ein paar weitere Beerenbüsche sollen folgen. Wir haben uns gegen Schaukel und Rutsche entschieden, weil der öffentliche Spielplatz um die Ecke ist, aber ich träume noch von einem kleinen Spielhäuschen und einer großen selbst gebauten Kreidemaltafel. Erstaunlich, wie anziehend so ein Sandkasten sein kann. Wir haben Gäste im Alter von 1 bis 65 und jeder spielt auf seine Weise. Da werden Tunnel gebaut, filigrane Kuchen gebacken und mit Blüten verziert, Hände versteckt usw. Und hinter dem Zaun steht das Pferd der Nachbarn und guckt uns verwundert zu. Großes Glück im Kleinen…

 

Vaters Tag

Heute morgen haben wir unseren vorfreudig zappelnden Papa zur alljährlichen Wandertour mit den Studienkumpels abgeliefert und abends einen müden, glücklichen Mann mit Strohhut wieder abgeholt. Dazwischen lag für uns Mädels ein fauler, sonniger, angenehm kühler Maitag in Omas und Opas Garten. Mit frisch geerntetem Salat zum Mittagessen, Dösen unterm Fliederbusch, Kranzflechten mit Gänseblümchen und jeder Menge Gießkannenspaß für den kleinen Menschen. Wie froh und dankbar bin ich, dass das Leben mir solche Tage schenkt!

Alle Hände voll zu tun

Die letzten Tage waren seeehr ereignisreich und arbeitsreich. Ich hatte eine Schnapszahl zu feiern, und neben bezaubernd duftenden Blumen und hübschen kleinen Geschenken hat ein wunderschöner Esstisch aus Holz Einzug in unsere Küche gehalten. Ich hoffe, dass er uns viele Jahre begleiten und in Würde altern wird. Der hier hat nun ausgedient, lustige kleine Männchen hin oder her. Eventuell wird er sich aber eine neue Existenz im Partyraum meiner Eltern aufbauen…

 

Die Sonne hat magisch ins Freie gezogen, wir haben wie wild in der sich gerade erwärmenden Erde gewühlt, im Gärtchen die trockenen Stängel des Vorjahres zusammengesucht, umgegraben und Pläne geschmiedet. Unser neuer Spielplatz nimmt Form an, der Rasensamen ist in der Erde und bald haben wir ein grünes Eckchen zum Spielen im Sand, zum Schaukeln und Picknicken. Am sonnigen Fenster steht nun ein kleines Tischchen mit den ersten Gemüse- und Blumensaaten, alle paar Stunden muss ich schauen, ob sich nicht schon ein grünes Blättchen zeigt. Die Motte ist draußen mit Eimer und Schaufel unterwegs und abends vor lauter Ballspielen, Kreidemalen, Katzenstreicheln und Schafefüttern und trotz sichtbarer Erschöpfung kaum ins Haus zu bringen. Das Lied vom Kuckuck, der den Frühling herbeiruft, hat das Schneemannlied abgelöst. Sie singt es beim Aufwachen, beim Einschlafen und viele Male zwischendurch. Kuckuck, Kuckuck…

 

Und wir sehen schon den Stern

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

ein milder Stern herniederlacht;

vom Tannenwalde steigen Düfte

und hauchen durch die Winterlüfte

und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,

das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich höre fernher Kirchenglocken

mich lieblich, heimatlich verlocken

in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,

anbetend, staunend muss ich stehn;

es sinkt auf meine Augenlider

ein goldner Kindertraum hernieder,

ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm

Ich wünsche Euch ein fröhliches, gemütliches Weihnachtsfest mit lauten Freudenjuchzern und stillem Glück im Angesicht all dessen, was uns geschenkt ist. Genießt die Zeit und lauscht auf den Zauberglöckchenklang in Euren Herzen…

Ailis

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Strohwitwe, schlaflos

Diese Woche war ich alleinerziehende Mutter einer tagsüber extrem anhänglichen und nachts extrem aktiven Einjährigen. Der Herr Papa weilt im Ausland und hat sich bei der Abreise auf vier Nächte Durchschlafen gefreut. Ach, ich gönn’s ihm ja… Und ich ziehe den Hut vor alleinerziehenden Eltern, die die schwierigen Phasen ihrer Kinder immer allein schultern (müssen). Als die Motte heute nacht um drei Uhr im Bett saß und ihre Giraffen-Spieluhr aufzog, nachdem sie mich mit ihrem Fuß an der Nase wach gekitzelt hatte, wusste ich aber nicht mehr, ob ich weinen oder lachen sollte. Ich entschied mich dann doch für’s Lachen und sie stimmte fröhlich ein, den Nuckel lässig im Mundwinkel.

Morgen sind wir wieder zu dritt, zumindest übers Wochenende. Und vielleicht sollten wir doch mal ausprobieren, wie es sich im Kinderzimmer so schläft…

 

(Schön, dass Du da bist, St. Moonlight!)