In meinem Garten – 16. Juni

Ach, Juni! So lange habe ich auf die Fülle des Sommers gewartet, und jetzt ist sie endlich da.

Erdbeeren in rauen Mengen, die zu verspeisen und zu verarbeiten ich nicht müde werde. Erdbeermarmelade mit Rhabarber, mit Minze, mit Vanille. Erdbeerjoghurt, Erdbeermilch, demnächst bestimmt Erdbeereis. Erdbeeren pur – ich bestehe vermutlich gerade zu einem zweitselligen Prozentsatz aus Erdbeeren.

Auch alles andere wächst und wuchert nun, trotz anhaltender und sehr bedrückender Trockenheit seit Wochen. Zum Glück sind wir mit einem Brunnen gesegnet und müssen uns über die Bewässerung keine Sorgen machen. Auch sehr traurig anzuschauen ist Schädling des Jahres: die Blattlaus. Während andernorts die Schnecken das Gartenglück bedrohen, ist in unserer Gegend eine Läuseplage ausgebrochen. Sie sind überall: an den Sonnenblumen, den Kräutern, am Gemüse. Die Dicken Bohnen und die Melde habe ich bereits wieder gerodet, da war keine appetitliche Ernte mehr zu erwarten. Die Kräuter lasse ich zur Blüte kommen, damit auch die Bienen etwas davon haben, dann werde ich sie abschneiden und auf einen gesunden Zweitaustrieb hoffen.

Meine Wildtomaten haben die ersten Wochen im Freiland überlebt und beginnen nun kräftig zu wachsen, manche blühen schon. Die Gurken sind aufgegangen, wenn auch sehr zögerlich. Der Mangold steht bunt leuchtend und kräftig da und auch die Rüben machen sich gut. Dieses Jahr habe ich „Tonda di Chioggia“ ausgesät, eine Rote Ringelrübe, die nicht färben und weniger erdig im Geschmack sein soll als die normale Rote Beete.

Ansonsten freuen wir uns an dicken Radieschen, grünem Salat und kaltem Minztee als Erfrischung (Minze mögen die Läuse anscheinend nicht so). In den nächsten Wochen kann ich wohl beim Einkaufen einen großen Bogen um die Obst- und Gemüseabteilung machen – die Sommerküche ruft!

 

PS: Hallo Chriss und Seppo, herzlich willkommen hier!

Sammelfieber

Auch wenn es die Herbstsonne nicht durch die dicke Wolkendecke geschafft hat, war es heute herrlich mild draußen, und so haben wir die Gartensachen angezogen und sind zum Nussbaum geschlendert. Dort ist es gerade wie im Schlaraffenland, wie gesät liegen die Walnüsse im Gras. Schnell rein ins Körbchen…

Unsere Sammeltätigkeit hat  die Aufmerksamkeit von Ziegenbock Boris auf sich gezogen, der die Neugier in Tiergestalt ist. Um uns abzulenken, schlüpfte eine seiner Haremsdamen unterm Gartenzaun hindurch, und während die Motte und ich versuchten, sie zurück zu treiben, hat Boris mal schnell einen Blick in unseren Korb geworfen:

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Nun trocknet die Beute aber auf dem Dachboden und der hier wartet darauf, die erste harte Nuss zu knacken…

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Spätsommer im Garten

Eigentlich bin ich noch nicht ganz bereit, mich vom Sommer zu verabschieden, aber es lässt sich nicht leugnen: die Welt beginnt, nach Herbst zu duften. Da ist der Pflaumenmusduft, der durch das Elternhaus zieht. Der Duft von Mamas Ölkuchen ebenda. Für so ein knuspriges, noch ofenwarmes Eckstück lese ich gerne einen Eimer Pflaumen auf… Im Garten duftet es nach regennasser Erde, nach Fallobst und Stroh. Die ersten Kirschbäume tragen rot gefärbtes Laub und ein wenig steigt nun doch in mir die Vorfreude auf die farbenfroheste Zeit des Jahres. Und auf diese wunderbaren, milden Altweibersommertage mit ihrem sanften, goldenen Licht.

Doch noch ist Sommer, noch beschenkt mich der Garten in Hülle und Fülle. Trotzdem habe ich beschlossen, für dieses Jahr ein Häkchen an die Einkocherei zu machen, denn die Regale sind voll, kein Glas ist mehr übrig und jede Menge andere Projekte warten. Was auf den Beeten noch steht, soll frisch verspeist werden. Mangold, Fenchel, Rote Rübchen, Möhren, Kürbis und Zucchini. Obwohl es eigentlich zu spät ihm Jahr war, habe ich nochmal Dicke Bohnen ausgesät. Sie blühen reichlich und duften herrlich, die Bienen freuen sich, und ich bin gespannt ob die Zeit noch reicht, um Früchte zu ernten. Auch meine ersten stachligen Freiland-Gemüsegurken habe ich abgeknipst und erfreut festgestellt, wie eine selbst gezogene Gurke schmecken kann. Frisch, grün, intensiv. Kein Vergleich mit denen aus den spanischen Treibhäusern…

Es ist wirklich Gold wert, einfach in den Garten gehen und sich das Mittagessen in den Korb legen zu können, denn unser Septembermädchen isst mittlerweile mit riesigem Appetit und lustvoll bei uns mit. Und sie ist nicht mäkelig, nein, es wird alles probiert, von der Brombeere bis zum Radieschen. Hoffentlich bleibt’s so!

 

 

Ruhmloses Gemüse oder Die häßliche Möhre

Diese bizarren Gesellen habe ich heute im Garten ausgegraben…

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So richtig toll sind sie dieses Jahr nicht, die Möhren, ziemlich knorzelig sogar. Es hat auch keinen Spaß gemacht, diese Dinger zu putzen und zu schälen. Aber wenn ich ehrlich sein soll: sie schmecken genauso gut wie eine perfekte gerade Möhre. Das hat mich an einen Film erinnert, den ich kürzlich im Netz gesehen habe: „Inglorious Vegetables“. Darin geht es um das Kaufverhalten der Konsumenten, die in hohem Maß von den geltenden Normen und Richtlinien der Nahrungsmittelindustrie gesteuert werden. Eine Gurke muss so lang sein, ein Tomate soviel wiegen. Flecken auf dem regional gewachsenen Apfel? Ach nein, dann nehme ich doch lieber den schönen aus Übersee…

Meine (Bio-)Möhren hätten es niemals in den Supermarkt geschafft. Aber sie haben es in meinen Tiefkühler geschafft. Und im Winter landen sie in unseren Bäuchen :o)

Und weil ich den Abend nicht so kämpferisch beschließen will, hier noch ein reizendes Paar:

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Erntesegen

Der Juli ist bei uns ein arbeitsreicher Monat. Während der große Mensch nach der Arbeit mit Traktor und / oder Mähdrescher unterwegs ist, um die Ernte des Schwiegervaters einbringen zu helfen, springe ich zwischen Garten und Küche hin und her. Irgendwie wird immer alles gleichzeitig reif und ich verbringe die Abende damit, zu verarbeiten, was ich in meinem Erntekorb ins Haus trage. Das sind im Moment Unmengen von Zucchini, die oft gleich in Kochtopf und Pfanne landen (Zucchinipuffer mit Bergkäse, hmmmm…) und immer noch die Beeren. Heute waren es die letzten Johannisbeeren, die nun als kleine rote Eiskugeln darauf warten, die Hauptrolle in einem Winter-Crumble spielen zu dürfen. Und Basilikum, das zusammen mit Zitronenzesten und Essig unsere Wäsche weich und duftig spülen soll.

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Das Rezept dazu stammt aus dem Buch „Liebevolle Geschenke aus dem Garten“ (Debora Robertson, Bassermann Verlag), das gerade – gespickt mit vielen Merkzettelchen – ganz oben auf meinem Bücherstapel liegt. Darin sind von Küchenkräutermischungen über Naturkosmetika (für die man nicht gleich die halbe Apotheke leerkaufen muss) bis hin zu Öko-Feueranzündern richtig tolle Ideen enthalten. Davon möchte ich noch einiges ausprobieren, weil ich gern Selbstgemachtes statt unnützem Krimskrams verschenke und mich auch selbst immer freue, wenn sich jemand für mich Gedanken und Mühe macht.