Glück im November

Glück im November ist, dass nach den wilden ersten Wochen als vierköpfige Familie endlich jeder seinen Platz und seinen Rhythmus gefunden hat. Glück ist, auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten zu singen und durch bunte Blätterhaufen zu rascheln. Die Farben und das goldene Licht des Herbstes zu genießen. Den verwilderten Garten nach einer großartigen Kürbisernte fertig für den Winterschlaf zu haben. Ins Haus zurückzukehren, alles gemütlich zu machen, Kerzen anzuzünden. Die dunkler werdenden Nachmittage bastelnd oder malend am Küchentisch zu verbringen, mit schlafendem Baby im Arm. Das Septembermädchen staunend beim Lernen zu beobachten („Ich kann’s schon alleine!“). Das Augustmädchen mit allerlei Faxen zum Lachen zu bringen. Abends verdammt müde zu sein von einem langen Tag als Mutter, und trotzdem verdammt glücklich.

 

Lebensspuren

Manchmal liege ich nachts wach, lausche in die Dunkelheit und kann mein Glück kaum fassen. Links von mir höre ich die tiefen Atemzüge meines Mannes. Das Septembermädchen liegt auch irgendwo auf dieser Seite, meistens falschherum zwischen uns, jedenfalls aber nicht mehr da, wo es eingeschlafen ist. An meiner rechten Seite schlummert friedlich ein kleines Wesen, unser Augustmädchen, gerade einmal zehn Wochen alt. Ich muss nur ein wenig die Hand ausstrecken, um dieses Mädchen mit den rabenschwarzen Haaren, das uns mit seinem Babyduft und seinem sanftmütigen, fröhlichen Wesen täglich aufs Neue verzaubert, zu liebkosen.

Ich lausche in die Dunkelheit, eingehüllt in Wärme, Nähe und Geborgenheit – und unendlich glücklich darüber, was mir geschenkt ist.

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„Wir alle sind in dem Maße Menschen geworden, in dem wir geliebt haben und Anlass zu lieben hatten.“

Boris Pasternak

Vaters Tag

Heute morgen haben wir unseren vorfreudig zappelnden Papa zur alljährlichen Wandertour mit den Studienkumpels abgeliefert und abends einen müden, glücklichen Mann mit Strohhut wieder abgeholt. Dazwischen lag für uns Mädels ein fauler, sonniger, angenehm kühler Maitag in Omas und Opas Garten. Mit frisch geerntetem Salat zum Mittagessen, Dösen unterm Fliederbusch, Kranzflechten mit Gänseblümchen und jeder Menge Gießkannenspaß für den kleinen Menschen. Wie froh und dankbar bin ich, dass das Leben mir solche Tage schenkt!

Verwandlung im Gange

Aus einer zwar nutzbaren, aber nicht besonders gemütlichen Küche (20 Jahre hatte sie auf dem Buckel) entsteht bei uns gerade Stück für Stück ein schöner, heller Familienraum. Der Durchbruch für die Balkontür ist geschafft, Fenster und Tür sind eingebaut, die Decke bereits tapeziert und die alten Dielen entfernt, damit die Schreiner uns kommende Woche neue einbauen können. Sie lagern schon im Kinderzimmer (nur dort war in unserem Renovierungschaos noch Platz) und verbreiten einen wunderbaren Duft nach rohem Holz. Bald bald bald… habe ich wieder Ordnung, muss kein Geschirr mehr durch die Wohnung tragen und kann nach Herzenslust kochen und backen. Vorfreude, schönste Freude!

 

Und Action!

Natürlich waren wir keine drei Wochen im Urlaub – auch wenn ich nichts dagegen gehabt hätte. Direkt vom Kofferausräumen bin ich zum Leeren der Küchenschränke übergegangen. Gekocht wird nun auf einer kleinen Platte im Vorratsraum, gespült in der alten Emaille-Schüssel, gegessen im Wohnzimmer mit direktem Blick auf den Kirchturm. Indoor-Camping, sozusagen. Und der leicht erschwerte Alltag schärft mal wieder das Bewusstsein dafür, welche segensreichen Erfindungen fließend Wasser, Spülmaschine und Einbaubackofen sind.

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Obwohl unsere aktuelle Versorgungslösung nichts ist im Vergleich zur Badrenovierung vor zwei Jahren. Dusche und Toilette? Bitte einmal quer über den Hof! Mehrere Wochen lang. Im Januar.

Ich wünsche Euch allen einen tollen Start in den goldenen Oktober!

Herzlichst, Ailis

PS: Herzlich Willkommen, adituita!

Am See

Lange bin ich nicht dort gewesen, obwohl er so nahe ist. Am Nachmittag hing weißer Dunst über Weiden und Schilf. Enten haben wir gesehen, wunderschöne weiße Schwäne, Blesshühner und rote Libellen. Still war es, bis auf die Rufe der Vögel und leises Froschgequake. Da saßen wir am Ufer, drei Generationen, und hielten zufrieden die Nasen in die Sonne…

 

PS: Hallo Julia, schön, dass Du da bist!

Vom Vorwärtskommen und Knotenknüpfen

Während der große Mensch bei seiner Paddeltour mit den Kumpels wahrscheinlich eher von oben als von unten nass geworden ist, haben der kleine Mensch und ich auf Omas Küchenfußboden das Krabbeln geübt. Da saßen wir nun, mit Oma, Opa und Onkel, gemütlich bei Kaffee und Kuchen und hatten es gut, während draußen die Wolken tief am Himmel hingen. Wie schön es doch ist, all die kleinen Fortschritte zu beobachten, die großen staunenden Augen und das fröhliche Lachen zu sehen, wenn die Ballerina in der alten Spieluhr wieder tanzt…

Ganz unverhofft habe ich auch heute noch eine selbst genähte Tasche von meiner Mutter bekommen, einfach so, ohne Grund – und das sind ja oft die schönsten Geschenke. So ein tolles Blau!

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