Burpees Golden – sauer macht lustig

Eigentlich wollte ich dieses Jahr konsequent sein und nichts einmachen. Die Zeitfenster die sich in einem Tag mit zwei Zwergen auftun, sind nicht besonders groß, und sich abends nochmal an den Herd zu stellen ist momentan keine verlockende Vorstellung für mich. Aber heute bin ich doch schwach geworden, nachdem ich im Garten ein paar ordentliche Knollen Gelbe Bete geerntet hatte. In den Keller stellen und womöglich dort vergessen? Zu schade. Und so ging es für mich an die Arbeit, während der Rest der Familie ausgiebig Mittagsschlaf hielt.

Ich bin die einzige im Hause Ailis, die überhaupt Bete isst, und ich mag sie im Winter gern als würzige Beilage zum Brot, wenn es nichts Frisches gibt. Daher mache ich immer kleine Gläser nach einem Rezept, das nicht mal Einkochen erfordert. Perfekt bei diesen Temperaturen…

Zutaten für drei bis fünf Gläser, je nach Größe:

  • ein Kilo Bete-Knollen, gelb oder rot
  • zwei Zwiebeln, in Scheiben
  • ein Esslöffel Senfkörner
  • je ca. zehn Nelken und Pimentkörner
  • ein gestrichener Esslöffel Salz
  • 75g Zucker
  • 500ml Wasser
  • 250ml Weißweinessig

Die Bete schrubben, dabei Stielansatz und Wurzel nicht entfernen, damit sie nicht ausblutet beim Kochen. In reichlich kochendes Salzwasser geben und ca. eine Stunde kochen, bis sie weich ist. Schälen und in Scheiben schneiden. Die Zwiebelscheiben und Gewürze gleichmäßig auf die Gläser verteilen, Bete-Scheiben darauf schichten. Wasser mit Zucker und Salz aufkochen, den Essig dazugeben. Den heißen Sud über das Gemüse geben, Deckel drauf und zehn Minuten umgedreht stehen lassen. Hält sechs Monate bei dunkler und kühler Lagerung.

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Baby isst mit

Mein kleines Mädchen ist vor einigen Tagen sieben Monate alt geworden. Sieben Monate, in denen wir ihr fröhliches, ausgeglichenes Wesen, ihre Stärke und unbändige Energie erleben durften. Wenn sie lacht, kann niemand in ihrer Umgebung ernst bleiben. Das ist ein Gurgeln und Gluckern, ein Glänzen in den Augen – Ausdruck reiner, unverfälschter Freude.

Noch ist sie ein Tragling und wir stillen noch voll, aber mit jedem Tag wird sie selbstständiger und will ein Teil unserer Welt sein. Schon sehr lange nimmt sie auf meinem Schoß an unseren Mahlzeiten teil. Anfangs begnügte sie sich dabei mit einem leeren Löffel, aber schon bald gab sie uns zu verstehen, dass sie auch haben will, was auf unseren Tellern liegt.

Bei der Motte haben wir teilweise Baby led weaning praktiziert. Damals dachte ich noch, es wäre normal, dass Babys mit Brei gefüttert werden, wenn sie ungefähr ein halbes Jahr alt sind. Nur mochte die Motte den Brei nicht. Überhaupt. Gar. Nicht. Also beḱam sie gedämpftes Gemüse, Reiswaffeln, Brot, Obst – und war zufrieden. Mit dem Begriff BLW bin ich erst später richtig vertraut geworden und als das Augustmädchen auf die Welt kam war uns klar, dass sie von Anfang an selbst essen dürfen sollte. Also habe ich darauf gewartet, dass sie lernt, sich zu drehen, denn diese Fähigkeit soll angeblich unmittelbar mit der Fähigkeit, Essen mit der Zunge im Mund zu bewegen, zusammenhängen. Aber das kleine Ding dachte nicht daran, die Reihenfolge einzuhalten. Sie kann sich immer noch nicht selbstständig vom Rücken auf den Bauch drehen, aber dafür krabbelt sie schon.

So sieht es auf (und unter) unserem Tisch aus, wenn wir eine Mahlzeit beendet haben:

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Aber die zusätzliche Arbeit ist nichts im Vergleich zu dem zufriedenen Schmatzen, das zu hören ist. Nicht ein einziges Mal hat sie sich bisher ernstzunehmend verschluckt. Sie wird mit jedem Tag geschickter beim Greifen der unterschiedlichsten Speisen und auch der Pinzettengriff ist schon in Ansätzen erkennbar.

Ich habe drei Bücher zum Thema BLW gelesen:

– „Baby-led Weaning – Der stressfreie Beikostweg“ von Gill Rapley und Tracey Murkett. Angeblich die BLW-Bibel, für meinen Geschmack wird aber ein überschaubarer Inhalt unnötig aufgeplustert und endlos wiederholt.

– „Einmal breifrei, bitte!“ von Loretta Stern und Eva Nagy. Flott und unterhaltsam geschrieben für den ersten Einstieg.

– „Das breifrei!-Kochbuch“ von Loretta Stern und Anja Constanca Gaca. Steht gerade in der Küche und befindet sich noch in der Testphase. Im Moment koche ich oft schnelle Standardgerichte, weil ich in den krankheitsbelasteten letzten Wochen immer beide Kinder zu Hause hatte, und da war einfach keine Zeit für Experimente.

Drei wichtige Dinge habe ich gelernt:

– Richte Dich nach den Bedürfnissen deines Kindes und biete ihm eine Umgebung an, in der es selbstständig agieren darf.

– Ein Waschlappen pro Mahlzeit. Erst das Kind abwischen, dann die Reste vom Tisch, dann den Fußboden. Klappt super.

– Wenn auch die Mama gleichzeitig entspannt essen möchte, sollte ALLES auf dem Tisch bereitstehen, will sie nicht mit einem beschmierten Baby in der Küche umherlaufen. Isst ein Kleinkind mit und ist keine weitere Person zugegen, sollte das Kleinkind vor der Mahlzeit Pipi gemacht haben. Böse Falle.

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Breifrei bedeutet übrigens nicht, dass das Baby gar keinen Brei bekommt.  Kartoffelbrei und Müsli zum Beispiel haben ein Konsistenz, der man nicht gerecht wird, wenn man nur mit den Fingern isst. Der wichtige Unterschied ist, dass das Baby nicht gefüttert wird, sondern den Löffel selbst zum Mund führt. Da das Augustmädchen noch nicht selbst den Löffel füllen kann, mache ich das für sie und lege ihr zwei Löffel im Wechsel hin.

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Nach den ersten vier breifrei-Wochen kündigt sich so langsam die nächste Stufe an, denn ich kann meinen eigenen Teller kaum noch verteidigen. Das wird nocheinmal eine Herausforderung für mich, unseren Speiseplan so zu gestalten, dass unsere Jüngste jederzeit mitessen kann. Aber eine Herausforderung, auf die ich mich freue.

Im Erntekorb – 28. Juni

Von einem mittäglichen Ausflug in den Garten habe ich die ersten Zucchini (eine Kugel-Sorte, Rondini genannt) in die Küche getragen. Morgen kommt Besuch, da soll es mal wieder das Lieblingssüppchen geben. Bei der Schwiegermutter wachsen die Zuckerschoten zuhauf, ich hab‘ ein paar ins Eis gepackt. Und die ersten Markerbsen zum Naschen gepflückt. Die Stachelbeeren brauchen eigentlich noch ein paar Tage Sonne, aber wer kann da schon widerstehen? IMG_7961

 

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Drei alte Kirschbäume stehen in Gemeinschafts-Garten und sie tragen dieses Jahr zentnerweise Früchte. Drei Ehemänner kletterten heute die Leiter hinauf und in drei Küchen wurde Marmelade gerührt und eingekocht. Mit tatkräftiger Hilfe des Mannes an meiner Seite habe ich ein paar Gläser Kompott gemacht und einige Kilo entsteinte Früchte eingefroren. Das letzte Bild zeigt meinen ersten, recht spontanen Versuch des Dörrens im Backofen. Während ich dies schreibe, schwitzen die Kirschen auf zwei Rosten schon seit gut fünf Stunden, sind mächtig zusammengeschrumpelt – aber schmecken wundervoll intensiv und süß. Ich glaube, mit dem Thema muss ich mich mal ausführlicher beschäftigen… Ein Kirsch-Sirup soll über Nacht noch durchziehen, aber dann will ich nur noch zum Vergnügen Kerne spucken!

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Im Erntekorb – 24. Juni

Rote Kirschen ess‘ ich gern, schwarze noch viel lieber… So süß, so saftig, so ausnahmslos unbewohnt waren unsere Kirschen seit Jahren nicht. Mein Liebster ist heute in einen unserer Bäume hinaufgeklettert und hat mir einen ganzen großen Eimer voll gepflückt. Während er die Kerne durch die Küche schnippste, habe ich Marmelade gekocht (und dabei meinen Pürierstab zerlegt), die süßen Seeligkeiten für den Winter eingefroren und ungefähr ein Kilo genascht. Meine Hände sind heute nicht vorzeigbar, aber das nehme ich gerne in Kauf! IMG_7950[1]

Es gerade ein Vergnügen, durch den Garten zu wandern, so wunderbar weich ist die Erde und so kräftig wächst nun alles. Zum Abendbrot gab es wieder Mangold, nach dem reichlichen Regen der letzten Tage steht er kräftig und gesund da. Ich habe ein neues Rezept ausprobiert, den Mangold faul wie ich bin nicht blanchiert, sondern gleich angebraten und noch ein paar kleingeschnittene Tomaten zugefügt. Dazu gab es in Butter gebratene Gnocchi – zum Reinlegen gut!

Ailis kocht – Hüte mit Füllung

Gestern sind mir beim Einkaufen im Supermarkt vier große Hutträger über den Weg gelaufen. Sie kämen aus regionalem Anbau sagten sie, ob ich sie nicht mit nach Hause nehmen wollte? Na gut, regional und saisonal, da lass ich mich breitschlagen, hüpft rein in meinen Wagen! An der nächsten Ecke steckten ein paar lose Tomaten den Anhalterdaumen in die Höhe: hast Du noch Platz? Wir sind gleich um die Ecke aufgewachsen! Ja, aber im Gewächshaus entgegnete ich. Pah, antworteten sie trotzig, immerhin sind wir nicht durch halb Europa getuckert wie der Rest der Gemüsebande. Recht hatten sie, und ich sah vor meinem geistigen Auge die beiden Stücke Feta aufblitzen, die ganz unten im Kühlschrank lagen, und mit denen ich meinen Mann zum Abendbrot beglücken könnte.

Hier also mal ein spontanes Freestyle-Gericht – Riesenchampignons mit Tomaten-Feta-Füllung. Die Mengenangaben reichen für zwei hungrige Erwachsene, unsere Motte konnten wir damit nicht begeistern.

  • 4 Riesenchampignons
  • 2 Stück Feta
  • 2 große Hände voll Rispentomaten
  • Olivenöl & Pfeffer

So geht’s:

  1. Die Pilzstängel abschneiden, Pilze säubern und mit dem Hut nach unten in eine Auflaufform legen. Die Stängel können, sofern sie frisch sind, kleingeschnitten mit zur Füllung gegeben werden.
  2. Feta und Tomaten kleinwürfeln, in die Pilzhüte füllen und den Rest in der Auflaufform verteilen.
  3. Mit Olivenöl großzügig beträufeln und mit frisch gemahlenem Pfeffer würzen. Extra Salz ist nicht notwendig, der Feta ist salzig genug.
  4. Im vorgeheizten Backofen bei 200°C (Ober/Unterhitze) solange brutzeln lassen, bis Feta und Tomaten zerlaufen sind.
  5. Mit Ciabatta oder Weißbrot genießen.

In Olivenöl gebackener Feta mit Tomaten ist eines unserer Lieblings-Sommer-Abendessen, wir haben es im Urlaub auf Mallorca entdeckt. Ziemlich gehaltvoll zwar, aber schnell und unglaublich lecker! Leider habe ich nur ein Foto machen können, da meine hungrige Meute schon ungeduldig am Tisch saß und mit dem Besteck geklappert hat…

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Ailis kocht – Conchiglioni mit Ricotta-Zitronen-Füllung

Der Sonntag ist meist der einzige Tag in der Woche, an dem wir mittags zu dritt am Tisch sitzen. Dummerweise habe ich just am Sonntag keine Lust auf aufwändige Gerichte mit viel Abwasch, deshalb gibt es vorzugsweise etwas aus dem Ofen. Während dort die Leckereien vor sich hin schmurgeln, kann man nämlich prima die Küche auf Vordermann bringen. Und nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, sinken wir oft alle drei zum Mittagschlaf in die Kissen…

Heute gibt’s also gefüllte Muschelnudeln, ein schnelles, aber dennoch feines vegetarisches Rezept. Diese Zutaten reichen für zwei große und einen kleinen Esser, eine Portion bleibt noch übrig:

  • so viele große Muschelnudeln, wie nebeneinander in eure Auflaufform passen
  • 50g geriebenen Parmesan + extra Käse zum Überbacken
  • 500g Ricotta
  • 1 Ei
  • 2 Dosen stückige Tomaten
  • abgeriebene Schale von einer Biozitrone
  • eine Schalotte oder kleine Zwiebel
  • Salz, Pfeffer, Knoblauch und Chili nach Geschmack
  • einige Stiele Basilikum

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So geht’s:

  1. Die Conchiglioni sehr bissfest kochen und abgießen.
  2. Backofen vorheizen (Ober/Unterhitze 220°C).
  3. Für die Sauce eine Schalotte oder kleine Zwiebel fein würfeln und in Olivenöl glasig dünsten. Die gehackten Tomaten zugeben und aufkochen. Nach Geschmack mit Salz, Pfeffer, Chili und/oder italienischen Kräutern würzen.
  4. Ricotta, Zitronenschale, geriebenen Parmesan und das Ei in eine Schüssel geben, vermengen und die Masse mit Salz und Pfeffer würzen.
  5. Die Sauce in eine große Auflaufform geben. Muschelnudeln mit Hilfe eines Teelöffels mit der Ricottamasse füllen – das geht am besten, wenn man die spitzen Enden zusammendrückt – und die Nudeln in die Auflaufform setzen.
  6. Den Auflauf mit geriebenem Parmesan oder einem anderen Käse bestreuen und ca. 10-15 Minuten überbacken, bis der Käse zerläuft.
  7. Die Basilikumblätter fein hacken und die Conchiglioni damit bestreuen.

Ich habe heute die zweite Dose Tomaten durch eine eingekochte Gemüsesauce ersetzt und zum Überbacken geriebenen Emmentaler genommen. Die Sauce kann man auch wunderbar mit Gemüse bereichern, dazu einfach das Gemüse kleinschneiden und mit den Zwiebeln andünsten. Dann allerdings die Sauce eventuell länger kochen lassen. Mein Favorit ist die Version mit frischem Mangold, den ich im Sommer immer in großer Menge im Garten habe.

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Der hier ist übrigens schon mal im Ofen braun und knusprig geworden, während ich die Nudeln vorbereitet habe: ein Rote-Grütze-Schoko-Kuchen aus einer älteren LECKER-Ausgabe. Lecker!

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Lasst es euch schmecken!

 

PS: Hallo Knit Knit Hooray – schön, dass Du da bist!

Ailis liebt Nachtisch – Beerencrumble

Am Sonnabend sitzen bei uns immer viele am Mittagstisch zusammen. Ich lebe mit Mann und Kind im Verbund einer Großfamilie: sechs große Menschen, zwei mittelgroße und ein kleiner. Jeder wohnt für sich und manchmal sind wir eben auch zusammen. Normalerweise macht die Schwiegermutter samstags einen vorgezogenen Sonntagsbraten, doch heute war sie unterwegs und ich mal dran. Da ich kein Fleisch mehr esse und mit Kind auch keine mehrstündigen Kochgelage drin sind, gab es eine simple vegetarische Kartoffelsuppe mit Würstchen für die anderen.

Aber nur Suppe, ach, da würde mir was fehlen. Ohne Nachtisch ist ein Familienessen für mich nicht ganz komplett. Da ungefähr die Hälfte unseres Gefrierschranks mit Obst aus dem Garten gefüllt ist, musste ich auch nicht lange überlegen: ab in den Ofen mit euch, ihr Beeren!

So ein Crumble lässt sich prima vorbereiten, geht schnell und ist, wenn man sich mit dem Zucker zurückhält, auch relativ gesund. Bei mir kam hinein in die Auflaufform eine Mischung aus tiefgeforenen Brombeeren, schwarzen und roten Johannisbeeren und Erdbeeren. Das ist eine recht säuerliche Kombination, deshalb habe ich noch einen Löffel Rohrzucker untergemischt. Crumble geht auch mit jedem anderen Obst, ob gefroren oder frisch, allerdings sollte man dann die Zuckermenge in den Streuseln anpassen.

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Die Streusel habe ich geknetet aus:

  • 150g Vollkornmehl
  • 1 Prise Salz
  • 50g Haferflocken
  • 100g Rohrzucker
  • 2 Pck. Vanillezucker
  • 100g flüssiger Butter
  • 1 Eigelb

Obendrauf kann man nach Geschmack noch Mandelstifte, gehackte Wal- oder Haselnüsse geben. Ich hab‘ die Nüsse heute im Eifer des Gefechts vergessen.

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Der Auflauf wird bei 200°C ca. 30 Minuten gebacken. Vanilleeis und/oder Schlagsahne passen wunderbar zu den säuerlichen Beeren. Eigentlich müsste hier noch ein Bild folgen, dass den frisch gebackenen Crumble zeigt. Aber pardon, er hat nicht lange genug überlebt, um ihn fotografieren zu können…

 

PS: Hallo Sandy, herzlich willkommen!