Baby isst mit

Mein kleines Mädchen ist vor einigen Tagen sieben Monate alt geworden. Sieben Monate, in denen wir ihr fröhliches, ausgeglichenes Wesen, ihre Stärke und unbändige Energie erleben durften. Wenn sie lacht, kann niemand in ihrer Umgebung ernst bleiben. Das ist ein Gurgeln und Gluckern, ein Glänzen in den Augen – Ausdruck reiner, unverfälschter Freude.

Noch ist sie ein Tragling und wir stillen noch voll, aber mit jedem Tag wird sie selbstständiger und will ein Teil unserer Welt sein. Schon sehr lange nimmt sie auf meinem Schoß an unseren Mahlzeiten teil. Anfangs begnügte sie sich dabei mit einem leeren Löffel, aber schon bald gab sie uns zu verstehen, dass sie auch haben will, was auf unseren Tellern liegt.

Bei der Motte haben wir teilweise Baby led weaning praktiziert. Damals dachte ich noch, es wäre normal, dass Babys mit Brei gefüttert werden, wenn sie ungefähr ein halbes Jahr alt sind. Nur mochte die Motte den Brei nicht. Überhaupt. Gar. Nicht. Also beḱam sie gedämpftes Gemüse, Reiswaffeln, Brot, Obst – und war zufrieden. Mit dem Begriff BLW bin ich erst später richtig vertraut geworden und als das Augustmädchen auf die Welt kam war uns klar, dass sie von Anfang an selbst essen dürfen sollte. Also habe ich darauf gewartet, dass sie lernt, sich zu drehen, denn diese Fähigkeit soll angeblich unmittelbar mit der Fähigkeit, Essen mit der Zunge im Mund zu bewegen, zusammenhängen. Aber das kleine Ding dachte nicht daran, die Reihenfolge einzuhalten. Sie kann sich immer noch nicht selbstständig vom Rücken auf den Bauch drehen, aber dafür krabbelt sie schon.

So sieht es auf (und unter) unserem Tisch aus, wenn wir eine Mahlzeit beendet haben:

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Aber die zusätzliche Arbeit ist nichts im Vergleich zu dem zufriedenen Schmatzen, das zu hören ist. Nicht ein einziges Mal hat sie sich bisher ernstzunehmend verschluckt. Sie wird mit jedem Tag geschickter beim Greifen der unterschiedlichsten Speisen und auch der Pinzettengriff ist schon in Ansätzen erkennbar.

Ich habe drei Bücher zum Thema BLW gelesen:

– „Baby-led Weaning – Der stressfreie Beikostweg“ von Gill Rapley und Tracey Murkett. Angeblich die BLW-Bibel, für meinen Geschmack wird aber ein überschaubarer Inhalt unnötig aufgeplustert und endlos wiederholt.

– „Einmal breifrei, bitte!“ von Loretta Stern und Eva Nagy. Flott und unterhaltsam geschrieben für den ersten Einstieg.

– „Das breifrei!-Kochbuch“ von Loretta Stern und Anja Constanca Gaca. Steht gerade in der Küche und befindet sich noch in der Testphase. Im Moment koche ich oft schnelle Standardgerichte, weil ich in den krankheitsbelasteten letzten Wochen immer beide Kinder zu Hause hatte, und da war einfach keine Zeit für Experimente.

Drei wichtige Dinge habe ich gelernt:

– Richte Dich nach den Bedürfnissen deines Kindes und biete ihm eine Umgebung an, in der es selbstständig agieren darf.

– Ein Waschlappen pro Mahlzeit. Erst das Kind abwischen, dann die Reste vom Tisch, dann den Fußboden. Klappt super.

– Wenn auch die Mama gleichzeitig entspannt essen möchte, sollte ALLES auf dem Tisch bereitstehen, will sie nicht mit einem beschmierten Baby in der Küche umherlaufen. Isst ein Kleinkind mit und ist keine weitere Person zugegen, sollte das Kleinkind vor der Mahlzeit Pipi gemacht haben. Böse Falle.

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Breifrei bedeutet übrigens nicht, dass das Baby gar keinen Brei bekommt.  Kartoffelbrei und Müsli zum Beispiel haben ein Konsistenz, der man nicht gerecht wird, wenn man nur mit den Fingern isst. Der wichtige Unterschied ist, dass das Baby nicht gefüttert wird, sondern den Löffel selbst zum Mund führt. Da das Augustmädchen noch nicht selbst den Löffel füllen kann, mache ich das für sie und lege ihr zwei Löffel im Wechsel hin.

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Nach den ersten vier breifrei-Wochen kündigt sich so langsam die nächste Stufe an, denn ich kann meinen eigenen Teller kaum noch verteidigen. Das wird nocheinmal eine Herausforderung für mich, unseren Speiseplan so zu gestalten, dass unsere Jüngste jederzeit mitessen kann. Aber eine Herausforderung, auf die ich mich freue.

4 Gedanken zu “Baby isst mit

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