Heute bin ich glücklich…

Meine Große ist ein emotionales Wesen. Ein sehr emotionales Wesen. Kleinigkeiten können sie aus der Fassung bringen und oft genug sehe ich in ihrem Gesicht die vielen wiederstreitenden Gefühle, mit denen sie innerlich kämpft. Wir stecken bis zur Nasenspitze in der Nein-Ära und an manchen Tagen (insbesondere nach kurzen Nächten) fällt es mir sehr schwer, einfühlsam mit ihr umzugehen, wenn ich zum x-ten Mal höre Nein Mama, ich mag das nicht! Zudem hat sie sich fast zeitgleich mit der Geburt ihrer Schwester und ihrem neuen Kindergartenalltag auseinandersetzen müssen. Das ist ziemlich viel auf einmal für ein zweijähriges Kind.

Obwohl ich nicht weiß, ob ihr derzeitiges Verhalten eine Entwicklungsphase ist – erlebe ich doch jedes Alter mit ihr zum ersten Mal – oder ihr Charakter, suchen wir nach Wegen, lösungsortientiert und achtsam mit ihr zu kommunizieren. Es macht mich einfach traurig, wenn ich sie ständig mit strenger Stimme dazu auffordern muss, etwas zu tun oder zu lassen oder sie sogar zu etwas zwingen zu müssen. Wut und Tränen sind die Folge, das hilft niemandem.

Das Thema Achtsamkeit interessiert mich sehr, und beim Stöbern im Netz bin ich auf das Buch „Achtsame Komunikation mit Kindern“ von Daniel J. Siegel & Tina Payne Bryson gestoßen. Darin stellen die Wissenschaftler zwölf Strategien aus der Hirnforschung vor, die Eltern helfen können, ihr Kind in seiner Entwicklung zu unterstützen. Obwohl der Text oft recht langatmig um die Kernaussagen herumgeschrieben ist, war ich doch sehr verblüfft, als ich in einer abendlichen Ich-will-noch-spielen-Krisensituation mit einer der Strategien auf Anhieb Erfolg hatte.

Weil sie mit ihren 25 Monaten noch nicht ausreichend Wörter kennt, um ihre Gefühle detailliert auszudrücken, habe ich ihr Emotionskärtchen ausgedruckt (die tolle Vorlage gibt’s bei den Eltern vom Mars). Sie betrachtet die Kinder interessiert und ich überlege mit ihr, warum der Junge sich langweilen könnte oder das Mädchen sich schämt. Dazu habe ich ihr eines meiner liebsten Bilderbücher hingelegt, dass ich schon sehr lange besitze: „Heute bin ich“ von Mies van Hout. Die Fische darin sind in ihren Emotionen so herrlich getroffen!

Habe ich übrigens erwähnt, dass ich Sternzeichen Fische bin und mein Mann mich gelegentlich als sein Emotionswunder bezeichnet? Oh, ich glaube die Motte kommt nach mir. Aber ich glaube auch, dass wir beide auf einem guten Weg zu innerem Gleichgewicht sind.

PS: Während meiner Babypause sind hier viele neue Leser vorbeigekommen. Nehmt es mir nicht übel, dass ich euch nicht verlinke, wie ich es sonst zu tun pflege. Aber ich freu‘ mich wie Bolle, dass ihr da seid :o)

 

 

5 Gedanken zu “Heute bin ich glücklich…

  1. Hier läuft zum Glück nichts weg, auch nicht, wenn ich wie nun „nachlese.“
    Ein wundervolles Bilderbuch ist das, hier steht es auch im Regal.
    Bei allem intensiven Auf und Ab, wie wichtig es doch ist, die Gefühle in sich zu tragen und sie leben zu können.

    • Zu Dir und Deiner Arbeit passt das Buch ja auch wunderbar :o) Ich habe mir nun noch „Überraschung“ dazubestellt und bin ganz gespannt drauf.
      Gefühle sind gut und wichtig, jedes einzelne von ihnen formt uns als Menschen. Nicht gut ist, wenn sie überborden… Meine Maus ist grad überhaupt nicht im Flow, ganz weit weg von ihrer Mitte, es ist wirklich manchmal ein Kampf. Eben hat sie sogar im Schlaf „Nein, Mama, nein“ gemurmelt :o(

      • Das Buch wird hier zu Hause gelesen und wie du schon richtig vermutest, auch beruflich. Das Thema Gefühle nimmt dort immer einen großen Raum ein.
        Dein Beispiel mit dem Schlaf lässt mich schmunzeln, auch wenn ich verstehen kann, dass es nicht immer im Allag zum Schmunzeln einlädt. Dennoch wichtig, dass sie ihr Nein kennenlernt und damit experimentiert. Ich glaube, ihr macht das sehr gut, wie ihr damit umgeht. Stell dir vor, ihr hättet heute und später eine reine Ja-Sagerin, das wirst du nicht wollen. 🙂

  2. Du triffst den Nagel auf den Kopf, genau das habe ich auch zu meinem Mann gesagt: sie muss lernen, sich und ihr Wollen zu verteidigen, sonst hat sie es schwer, wenn sie erwachsen ist. Wenn mir dauernd jemand sagte, was ich zu tun und zu lassen habe, fände ich das auch nicht toll… So schwierig das auch ist gerade, manchmal muss ich mir doch das Lachen verkneifen, wenn sie vor lauter Wut wie Rumpelstilzchen von einem Bein auf’s andere springt :o)

  3. Pingback: Ailis liest – im Dezember | Leuchtende Tage

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