Eisig & schön

Wir sind zurück aus dem Zillertal. Es war meine zweite Begegnung mit den Bergen und die erste mit Bergen im Schnee. Obwohl ich ihn in meinem Alltag nicht in solchen Massen haben wollte, gibt er der Winterlandschaft doch etwas Stilles, Ruhiges, ja Ehrwürdiges. Und gleichzeitig muss man vor seiner Macht auf der Hut sein. Der erste Abend in der ausgekühlten Skifahrerbude hat mir eine hübsche Erkältung beschert, von der ich mich gerade eben erst erhole.

Aus der letzten Woche nehme ich zwei besonders schöne Erinnerungen mit. Die eine an den grandiosen Ausblick vom Tuxer Gletscher, nur schneebedeckte Gipfel und verschneite Täler, soweit das Auge reicht. Die andere an eine Begegnung in Innsbruck, die mir noch immer Herzen leuchtet. Vor mir an der Ampelkreuzung eine sehr alte Dame im Lodenmantel, die ihren Stock in den Schneematsch stupst und sich nicht traut, den Bordstein zu verlassen. Ich biete ihr meinen Arm an, da schaltet die Ampel schon wieder auf rot. So erzählt sie mir, dass sie 97 Jahre alt ist, Klappe und Kopf sind noch in Ordnung, aber der Winter nötigt ihr Respekt ab. Ihre Hand hat einen erstaunlich festen Griff. Ob ich ein Engel sei, kommt die Frage, und als ich lachend verneine meint sie, sie wolle mir auch über die Straße helfen, wenn ich 97 bin. Wer weiß, wie alt ich einmal werde. Aber ich hoffe, dass ich meinen Lebensweg mit genauso offenem und zuversichtlichem Herzen gehen kann.

 

9 Gedanken zu “Eisig & schön

  1. Die beiden Seiten des Schnees, ich vergesse sie manchmal, diese zweite. Sehr schöne Bilder! Schade, dass dich eine Erkältung in dieser Zeit besuchte. Und wer weiß, vielleicht bist du doch ein Engel, sie leben doch mitten unter uns 🙂

    • Nee, nee, ich und Engel, ich bin ganz und gar menschlich, gleichmäßig mit guten und schlechten Eigenschaften ausgestattet. Ja, Urlaub und krank sein, das ist gemein. Aber ich habe es überstanden und kann wieder lachen. Einen schönen Abend wünsche ich Dir!

      • Eine gute Mischung! In meinem Bild von einem Engel gehört viel Menschliches, die können sogar unmusikalisch sein oder Höhenangst haben, Engel mit Ecken und Schrammen, die sind mir manchmal näher, als die fernen auf Wolke Nummer sieben. 🙂

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