Zehn Gläser Apfelmus

Gestern Abend ist es spät geworden über dem Apfelkorb. Während die letzten Apfelmus-Gläser im Wasserbad leise zischten, ist mir ein Nonsens-Gedicht eingefallen, das ich mit dreizehn oder vierzehn Jahren verfasst habe. Ich habe viel geschrieben, damals, jede Menge romantischen Kram, aber auch ein paar Sachen, die ich heute noch mag. Also habe ich ein bisschen gesucht… et voilà:

 

Wir legten uns an den Rand der Welt

und spuckten vergnügt hinunter,

und machten mit unseren fröhlichen Liedern

die Englein im Himmel munter.

 

Wir bauten uns aus Sternen ein Haus

und gingen im Schneesturm schwimmen.

Dann tranken wir den Ozean aus

und kauften uns eine Riesenmaus

und wollten den Teufel vertrimmen.

 

Wir kitzelten Nikolaus am Fuß

und zählen im Fluß die Kiesel.

Wir sagten Caesar ’nen schönen Gruß

und kochten zehn Gläser Apfelmus

und hatten drei zahme Wiesel.

 

Wir kletterten am Regen empor

und schnitten den Himmel in Stücke.

Wir fanden, was schon so mancher verlor

und füllten in unseren Herzen die Lücke.

 

Wir hatten immer nur Träume im Kopf,

man dachte, das würde vergehen.

So packten wir die Gelegenheit beim Schopf

und ließen uns nie wieder sehen.

 

Heute leben wir im Küchenschrank,

hinter Salz und Flachen mit Wein.

Manchmal sitzen wir auf der Fensterbank,

dann hauchen wir die Scheibe blank.

Aber das muss nicht sein.

IMG_3322

 

 

 

 

 

 

PS: Hallo Leo, schön, dass Du da bist!

 

2 Gedanken zu “Zehn Gläser Apfelmus

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