Das Chaos im Kopf überlisten

Wahrscheinlich befinde ich mich in allerbester Gesellschaft, wenn ich zugebe, dass ich süchtig nach Listen bin. Oder vielmehr: ich bin süchtig danach, Punkte auf Listen abzuhaken. Dieses Gefühl, etwas erledigt zu haben, einen Schritt weiter zu sein, ist einfach toll. Leider gehöre ich nicht zu den Menschen, die ihrem Leben mühelos Struktur geben können, fokussieren war noch nie meine Stärke. Wenn die Gedanken zu wild durcheinanderplappern wie eine Horde schwatzender Kindergartenkinder, hilft nur eins: Papier, Stift – Liste.

Der Klassiker Einkaufsliste liegt immer auf dem Küchentisch und wird kontinuierlich ergänzt. Ohne diesen kleinen Helfer würde ich unverhältnismäßig lange unentschlossen zwischen den Regalen umherwandern und noch auf dem Nachhauseweg darüber nachdenken, was ich denn wohl diesmal vergessen haben könnte.

An der Magnetwand über meinem Schreibtisch hängt eine Fernziel-Liste. Größere Projekte, die ich nicht heute, aber bald in Angriff nehmen muss oder will. Den Kleiderschrank ausmisten zum Beispiel. Oder endlich mal die Fotodateien der letzten zehn Jahre ordnen. Mit diesem Vorsatz habe ich mich einmal an den Rechner gesetzt und bin darüber richtig wütend geworden, weil einfach kein Land in Sicht war. Seitdem bin ich vorsichtiger. Zehn Bilder pro Tag, mehr nicht. Heute allen Hosen durchprobieren, später die Shirts. Auch mit kleinen Schritten kommt man dem Ziel näher und hat jeden Tag das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Dann gibt es noch die Bitte-helfen-Liste, die manchmal an der Blumenvase lehnt. Darauf stehen Sachen, die viel Zeit in Anspruch nehmen, aber ziemlich langweilig sind. Und die ich deshalb gerne teilen möchte. Fenster putzen, Auto aussaugen. Macht keinen Spaß, muss aber manchmal sein. Immer hoffe ich, dass jemand beim Kaffeetrinken denkt: „Jep, die Fenster, das ist mein Job!“ Oft hab‘ ich Glück :o)

Dann gibt es noch Listen, die schreibt man viel zu selten. Die Dafür-bin-ich-dankbar-Liste. Die Zehn-Gründe-warum-Du-mir das-Liebste-auf-der-Welt-bist-Liste. Oder die Was-ich-im-Leben-noch-machen-will-Liste. Ich finde, die ist heute mal wieder dran:

  • eine große Familie haben und viel Zeit mit ihr verbringen können
  • ein offenes Haus und viele liebe Menschen zu Gast haben
  • mich selbständig machen
  • alle Handarbeitstechniken lernen, die ich spannend finde
  • ein Klavier besitzen und darauf spielen können
  • nach Santiago de Compostela wandern
  • die Insel besuchen, auf der „Anne of Green Gables“ spielt (das liebste Buch meiner Kindheit)

Was steht auf Euren Listen?

3 Gedanken zu “Das Chaos im Kopf überlisten

  1. Liebe Ailis,
    bei deinem schönen Beitrag musste ich automatisch an das Buch Die Listensammlerinvon Lena Gorelik denken, die mich dazu inspiriert hat, eine Listen-Rezension zu schreiben. Ein tolles Buch, das dir gefallen könnte, weil es dort vielevieleviele Listen gibt und ganz wunderbar geschrieben ist. Meine Listen sind die klassischen Einkaufslisten oder To-do-Listen und natürlich Wunschbücher-Listen. 😉

    Viele Grüße,
    Klappentexterin

    • Liebe Klappentexterin,

      ich habe mich sehr gefreut, dass Du den Weg in mein nagelneues kleines Reich gefunden hast! Ich hatte früher mal ein ganzes Wunschbücher-Buch, aber heute überlege ich mir sehr genau, welche Bücher bei mir einziehen dürfen, denn es tut mir um jedes leid, dass nicht die Aufmerksamkeit erhält die es haben sollte. Deine Rezension der Listensammlerin habe ich mit Vergnügen gelesen – die perfekte Form für diesen Titel. Vom Inhalt her klingt es ein wenig nach Irene Dische (Großmama packt aus mochte ich gern), ich werde mir das Buch beim nächsten Stadtbummel auf jeden Fall genauer ansehen.

      Herzlichst, Ailis

  2. Pingback: Besitzen & loslassen | Leuchtende Tage

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